Spendenoffensive für das Berliner Stadtschloss – Förderverein: Wiederaufbau könnte schon 2006/2007 starten / Patenschaften gesucht
Von Konrad Jahr-Weidauer
Berlin – Die Spendenaktion für den Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses geht nach Angaben von Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss e.V., in die entscheidende Phase. Die bisherige Resonanz bei Einzelpersonen und Unternehmen im ganzen Bundesgebiet stimme ihn optimistisch, dass die für die Rekonstruktion der historischen Schlossfassade benötigte Summe von 80 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren erreicht werde, sagte Boddien. Es gebe jetzt einen Grundstock von fünf Millionen Euro, weitere Spenden im sechsstelligen Bereich stünden in Aussicht. Die Grundsteinlegung könnte dann 2006/2007 erfolgen. Am Donnerstag wollen Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Boddien bei einer Veranstaltung für den Wiederaufbau werben.
Der Bundestag hatte sich im November 2003 für den Abriss des Palastes der Republik im Jahr 2005 und den Wiederaufbau des Schlosses in wirtschaftlich besseren Zeiten ausgesprochen. Insgesamt soll das Projekt etwa 670 Millionen Euro kosten. Die originalgetreue Fassadengestaltung soll sich nur aus Spenden finanzieren.
Einen weiteren Schub für die Spendensammlung erhofft sich Boddien von der Übernahme von Patenschaften für Schlossbausteine. Diese Aktion soll nun massiv angekurbelt werden, auch durch einen verbesserten Internet-Auftritt. Schon jetzt können Interessierte einen Baustein im Internet für 250 Euro erstehen. „Seit Oktober 2003 haben wir auf diese Weise Steine für eine Million Euro verkauft“, sagte Boddien. Im Herbst werde eine Info-Box auf dem Schlossplatz aufgestellt. Auf 800 Quadratmetern können Besucher alles über Geschichte und Zukunft des Schlosses erfahren. Auch ein Modell wird präsentiert.
Beim Berliner Senat gibt man sich aber längst nicht so euphorisch: „Ein Jahr Ausschreibung, zwei Jahre Abriss des Palastes, danach Brache, so sehen wir das“, sagte Petra Reetz von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Fest stehe, dass für die Bebauung des Schlossplatzes ein weltweiter Wettbewerb ausgeschrieben werden müsste. „Und das kann sehr lange dauern.“
Kommentar: Bürger-Schloss
„Wer die trostlose Ödnis des Schlossplatzes erlebt, der muss sich sagen, dass es nicht reicht, einen Neubau des Schlosses bloß zu beschließen.“ Eine Mahnung des jüngsten Ehrenbürgers Berlins, Johannes Rau, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt. Adressat ist vor allem die Politik im Senat wie im Bund, die nach dem Schlossbeschluss vom November wieder das große Desinteresse befallen hat. Ganz anders der private Förderverein um den nun hauptamtlichen Schlossherrn Wilhelm von Boddien. Der wirft die nächste große Werbekampagne an, um diesmal die versprochene Schlossspende einzusammeln. Auf dass dem Hohenzollernschloss eines der Bürger folgt. Warum nicht von Dresden und dem Wiederaufbau der Frauenkirche lernen? Das hieße aber auch, dass der rote Senat endlich die ideologischen Barrieren räumt und sich zum Schloss bekennt.
Jochim Stoltenberg
2006/2007 starten / Patenschaften gesucht
Deutsch
English
Francais
