Spenden für die Kuppel
Der Förderverein Berliner Schloss will für mehr Historie noch mehr Geld sammeln
Ulrich Paul
Einen Monat vor dem geplanten Start des Architektenwettbewerbs für den Wiederaufbau des Stadtschlosses hat sich der Förderverein Berliner Schloss für eine möglichst weitgehende Rekonstruktion des 1950 gesprengten Gebäudes ausgesprochen. Vereinsgeschäftsführer Wilhelm von Boddien sagte der Berliner Zeitung, er sei bereit, über die zugesagten Spenden in Höhe von 80 Millionen Euro für die Fassaden weitere Gelder zu sammeln, wenn auch die Kuppel des Schlosses nach historischem Vorbild aufgebaut werde.
Die Rekonstruktion der Kuppel soll den Teilnehmern am Architektenwettbewerb nach den bislang bekannten Informationen nicht vorgeschrieben werden. Den Architekten bleibt es damit freigestellt, beim Wettbewerb für das Schlossprojekt (offizieller Name: Humboldt-Forum) eigene Vorschläge dazu zu entwickeln. Verlangt wird von den Architekten lediglich, dass die Fassaden an der Nord-, West- und Südseite sowie der Schlüterhof nach historischem Vorbild rekonstruiert werden. Die Mehrkosten, die eine historische Kuppel gegenüber einer Kuppel mit moderner Architektur verursacht, will der Förderverein aus Spenden aufbringen, sagte von Boddien.
Wie teuer eine Kuppel nach historischem Vorbild sein werde, könne er aber noch nicht sagen. Dies sei noch nicht kalkuliert worden. Von Boddien sagte, er wünsche sich auch an der Ostseite des Humboldt-Forums eine Gestaltung nach historischem Vorbild. Da hier früher eine schmucklose Bruchstein-Fassade eingebaut war, sei diese ohne große Mehrkosten gegenüber einer Fassade mit moderner Architektur möglich. Während von Boddien beteuert, dass er die 80 Millionen Euro für die historischen Fassaden aus Spenden schon zusammenbringe, zweifelt die Linke weiter daran. Die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch sagte gestern: „Ich kenne keine vertrauenswürdige Person, die bisher Einsicht in das Spendenkonto des Fördervereins bekommen hätte.“ Selbst die Bundesregierung, die mit den 80 Millionen Spenden rechne, könne dazu keine Auskunft geben. Der Verein müsse „seine Karten auf den Tisch legen“. Bevor sie keine soliden Belege über Spendeneingänge gesehen habe, wolle sie im Haushaltsausschuss der Freigabe der Mittel für das Humboldt-Forum nicht zustimmen. Am 24. Oktober steht das Thema auf der Tagesordnung des Ausschusses. Von Boddien sagte dazu, er habe bislang 15 Millionen Euro erhalten, die Hälfte davon als Spenden, die andere als Zusage. Wenn das Parlament dem Projekt zustimme und die Regierung die Bürger zum Spenden aufrufe, werde dies „zum Selbstgänger“. Selbst wenn die Spenden nicht ausreichend oder nur schleppend fließen sollten, wird das Humboldt-Forum aber nicht ohne Fassade gebaut werden. Das Land Berlin und der Bund wollen den Betrag von 80 Millionen Euro notfalls vorfinanzieren. Dieser sei in den veranschlagten Baukosten von 480 Millionen Euro bereits enthalten.
In einem Bericht an den Bundestagsausschuss für Kultur und Medien verteidigte das Bauministerium seine bisherige Kostenplanung für das Schlossprojekt. Die Kosten pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche (Nutzfläche plus Nebenflächen wie Treppenhäuser und Flure) würden sich auf 6 000 Euro belaufen. Das sei eine realistische Annahme, wie ein Vergleich mit anderen großen Bauprojekten zeige. So habe beim Umbau des Reichstagsgebäudes ein Quadratmeter Bruttogeschossfläche (BGF) 5 850 Euro gekostet, und der Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums sei für 5 500 Euro pro Quadratmeter BGF errichtet worden, so das Ministerium.
In den 480 Millionen Euro enthalten sind unter anderem eine mögliche Teilrekonstruktion des früheren Volkskammersaals, der für Theater- oder Filmvorführungen genutzt werden könnte, die Fußgängerverbindung zum U-Bahnhof Museumsinsel auf der geplanten U-Bahn-Linie 5, die Einbeziehung der Relikte der Schlosskeller, der Bau der Kuppel sowie die eingeschossige Unterkellerung des Gebäudes.
Hinzu kommen jedoch noch 72 Millionen Euro für die Erstausstattung des Gebäudes – das betrifft die Möblierung und die Ausstellungsarchitektur des Humboldt-Forums. Das Gebäude soll als Museum und als Bibliothek genutzt werden. Der Baubeginn ist 2010 geplant, 2013 soll alles fertig sein.
Berliner Zeitung, 17.10.2007
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