Sparschloss
Das Schloss kommt – komplett?
Das Berliner Stadtschloss kommt. Aber es kommt, wie derzeit alles in Berlin, in Trippel- und Wackelschritten, gebremst von Klauseln und Fußnoten, behindert von Partei- und Pfennigfuchserei.
Zwar klingen die Formulierungen, mit denen der Bundesbauminister gestern den Beginn des Architektenwettbewerbs zur Errichtung des Humboldt-Forums – wie das Schloss in seiner kulturdemokratischen Gestalt heißen wird – ankündigte, tatsächlich einmal nicht nur nach Selbstermutigung, sondern nach Entschlossenheit: Der Bundestagsbeschluss zum Schlossbau, so Wolfgang Tiefensee, werde „eins zu eins“ realisiert und das erfolgreiche Nutzungskonzept der Museumsinsel in dem neuen Gebäude fortgesetzt.
Auch die Zusammensetzung der Preisjury, der neben den Modernisten David Chipperfield und Giorgio Grassi auch die vorsichtigeren Stadtbaukoryphäen Vittorio Magnago Lampugnani und Gesine Weinmiller sowie der durch die Restaurierung der Berliner Alten Nationalgalerie und der Staatsbibliothek Unter den Linden ausgewiesene Stuttgarter Architekt HG Merz angehören, berechtigt zu der Hoffnung, es könne bei diesem Großprojekt am Ende doch ohne Hauen und Stechen und politisch-ideologische Grabenkämpfe abgehen.
Aber dann stößt man in der Presseerklärung des Bundesministers auf einen Satz, der den zaghaft um sich greifenden Enthusiasmus gleich wieder abwürgt: „Typische Planungs- und Baurisiken sind durch Einsparungen aufzufangen.“ Was bedeutet das? Sollen vielleicht, falls die vom Bund für den Schlossbau aufzubringenden 440 Millionen Euro nicht reichen, die Stukkaturen im Humboldt-Forum aus Recycling-Gips modelliert werden? Will man sich eins der Portale im Schlüterhof sparen, wenn es bei der Unterkellerung des Gebäudes Probleme gibt? Oder fällt bloß die ehemalige königliche Kunstkammer, deren Wiedererrichtung der scheidende Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Montag verkündete, im Notfall dem Rotstift zum Opfer?
Nicht minder verräterisch als die ministerielle Einspar-Drohung ist auch Tiefensees Bemerkung, im östlichen Teil des Schlossbaus, der ohne historische Fassade auskommen muss, könne man die „wechselvolle Geschichte“ des Areals „widerspiegeln“, womöglich auch den früheren DDR-Volkskammersaal „in geeigneter Weise zitieren“. So will man also von allem ein wenig: ein bisschen DDR, ein bisschen Preußen, ein bisschen Forum und ein bisschen Kultur. Und billig soll es sein. Eine Vision als Sparversion, das ist das Wettbewerbsziel für die neue Mitte Berlins.
FAZ, 27.11.2007
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