So könnte Berlins historische Mitte aussehen
Über eine Neugestaltung des Geländes rund um das Marx-Engels-Forum soll der Senat deshalb bis Ende Juni seine langfristigen Vorstellungen präsentieren, hat am Montag der Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses auf Antrag der rot-roten Koalitionsfraktionen beschlossen. Namhafte Architekten, Historiker und Stadtplaner haben sich indes schon viel früher mit dem im Krieg stark zerstörten und zu DDR-Zeiten vollends abgeräumten Herz der Stadt beschäftigt. Ihre Ideen beflügeln nun die Debatte um Berlins neue Mitte und zeigen, wie vielfältig die Visionen für ein zeitgemäßes Stadtzentrum sind – und wie notwendig ein Konsens darüber, was dort eigentlich geschehen soll.
Kurz nach dem Fall der Mauer habe ich mit Studenten ein städtebauliches Seminar über das Gebiet zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Spree, dem Roten Rathaus und der Karl-Liebknecht-Straße durchgeführt“, schreibt etwa der renommierte Architekturprofessor Josef Paul Kleihues. Kurz vor seinem Tod im Sommer 2004 hatte der Architekt, nach dessen Plänen das HO-Centrum-Warenhaus auf dem Alexanderplatz zur Galeria Kaufhof umgestaltet wurde, seine bauliche Vision für das Marx-Engels-Forum weiter entwickelt. „Die architektonische Studie wurde deshalb nie veröffentlicht“, sagt sein Sohn Jan Kleihues, der das Architekturbüro Kleihues+Kleihues weiterführt. Auch wenn er selbst eine kleinteilige Struktur bevorzuge, so der Sohn, biete der Entwurf seines Vaters jedoch eine ganze Menge Antworten auf offene stadtplanerische Fragen.
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Immerhin: Auch Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hatte am Montag angesichts der seit Wochen andauernden Debatte in der Ausschusssitzung Handlungsbedarf eingeräumt. Zuvor hatte sich die Senatorin, genau wie Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, auf die geltende Koalitionsvereinbarung zurückgezogen, die für das Marx-Engels-Forum einen Freiraum vorsieht, der mit einem laufenden Wettbewerbsverfahren lediglich neu gestaltet werden sollte. Es müsse jetzt auch die Frage diskutiert werden: „Welche Art von Platz braucht das Berliner Rathaus?“, räumte die Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer ein.
Berliner Morgenpost, 29.04.2009
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