Senat übernimmt Planung

Senat übernimmt Planung

Der Bezirk Mitte muss das Genehmigungsverfahren für
Humboldt-Forum abgeben. Der Stiftungschef Manfred Rettig will im Herbst den
Bauantrag stellen.

Der Senat wird über die Baugenehmigung für das Berliner Stadtschloss
entscheiden – und nicht der Bezirk Mitte. Dies bestätigten die „Stiftung
Berliner Schloss-Humboldtforum“ sowie die zuständigen Bauverwaltungen dem
Tagesspiegel. Dass nun Berlin selbst die Oberaufsicht über das 552 Millionen
Euro große Projekt übernimmt, ist keinem Streit zwischen Land und Bezirk
geschuldet. Mitte ist vielmehr das erste Opfer einer Gesetzesnovelle, durch die
der Senat die Kompetenz der bezirklichen Baubehörden massiv beschnitten hatte –
das Land ist seither für die Bauprojekte aller Stiftungen zuständig.

Den Zeitplan für die Realisierung des Schlosses gefährdet die Verlagerung
der Kompetenzen nicht.

Stiftungschef Manfred Rettig, ohnehin als Pragmatiker bekannt, nimmt es
gelassen: „Das muss Berlin entscheiden“, sagte er auf Anfrage. Die ersten
Gespräche mit der nun zuständigen Abteilung Städtebau und Projekte bei der
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung seien „sehr positiv verlaufen“. Zuvor
hatte der Stiftungschef seine Pläne mit dem Baustadtrat von Mitte, Ephraim
Gothe, abgestimmt. Die frühzeitige Präsentation des Vorhabens ist für Rettig
deshalb so wichtig, weil er mögliche Streitpunkte bereits ausräumen will, bevor
er im Herbst die Baugenehmigung einreicht. Deren Genehmigung dürfte dann zu
einer bloßen Formalie werden.

Deshalb stellt die Stiftung außerdem ihre „fertige Entwurfsplanung“ bereits
am kommenden Mittwoch in einer öffentlichen Veranstaltung im Kronprinzenpalais
vor, um auch die „Anregungen und Bedenken“ der Berliner zu berücksichtigen. Die
Auseinandersetzungen mit der Senatsbaudirektorin über die Aussetzung des
Wettbewerbs für die Gestaltung des Freiraums rund um die
Hohenzollernrekonstruktion ist Rettig zufolge beigelegt: „Frau Lüscher hat uns
versichert, dass die Vorbereitungen für den Wettbewerb laufen“, sagte er. Und
die größte offene Frage in der bisherigen Planung, auf welcher Höhe der Uferweg
an der Ostseite des Stadtschlosses verlaufen wird, soll ein Gutachten
klären. Dessen Ergebnisse würden noch im Juni vorgelegt.

Wie berichtet, wird das Humboldt-Forum drei Außenfassaden erhalten, die präzise
das Hohenzollernschloss in seiner ursprünglichen Form nachbilden, sowie eine
moderne Außenhaut an der Ostflanke des Bauwerkes. Weniger bekannt ist bisher,
dass sich auch im Inneren des Humboldt-Forum modernistische und historisierende
Fronten gegenüberstehen werden. Modernistisch werden zum Beispiel die
Ostfassaden des berühmten Schlüterhofes sowie der Agora gestaltet. Beide Höfe
liegen an dem Verbindungsgang, der den historisierenden Neubau vom Lustgarten
bis zur Breiten Straße durchquert.

Wie bei dem Vorbild werden auch die historisierenden Fassaden mit 3000
Bildhauerstücke geschmückt: Löwen, Widder und Adler, Kartuschen, Kapitelle und
Kämpfer. Die gute Nachricht ist: Fast alle Gipsmodelle, die im Auftrag von
Wilhelm von Boddiens Initiative für den Wiederaufbau des Schlosses angefertigt
wurden, erfüllen die hohen Erwartungen von Rettigs
„Schlossbauhütten-Kommission“. Nur einige Stücke müssen überarbeitet werden und
ganz wenige wurden ganz verworfen. Boddien hatte bereits bei der Entwicklung
der Skulpturen mit Wissenschaftlern des Bode-Museums zusammengearbeitet. Dies
habe sich ausgezahlt, sagte Rettig. Kompromisse sei die Stiftung nicht
eingegangen: Ein mit internationalen Wissenschaftlern besetztes Gremium hatte
die Standards gesetzt für die bildhauerischen Arbeiten. „Wir wollen
ausschließen, dass die Qualität des Bauwerks diesem Ort nicht angemessen
sein könnte“, sagte Rettig.

Sind aber auch die Kosten des Großprojektes beherrschbar? „Wir liegen im
Rahmen“, versicherte Rettig. Und das sind „552 Millionen Euro Bauindexstand
2/2007“. Soll heißen: Der Endpreis wird höher liegen, weil die Baukosten
steigen, genauso wie die Lebenshaltungskosten.

Der Tagesspiegel am 18.5.2011