Schummel-Vorwürfe gegen Stella

Schummel-Vorwürfe gegen Stella

Schummel-Vorwürfe gegen Stella 

Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wettbewerbssiegers im November 2008 gab es Bedenken, dass der nahezu unbekannte Mann aus Vicenza mit der Aufgabe, den wichtigsten Kulturbau Deutschlands seit dem Mauerfall zu bauen, heillos überfordert wäre. Doch schnell präsentierte der Architekturprofessor mit den deutschen Planungsbüros von Hilmer & Sattler und Albrecht (hsa) sowie von Gerkan, Marg und Partner (gmp) eine Planungsgemeinschaft, der man den Bau des 480-Millionen-Euro-Projektes durchaus zutrauen kann. Während hsa für die Entwurfsplanung zuständig sein soll, übernimmt gmp die Ausführungsplanung. Erst in der vergangenen Woche hatte Stella den Architektenvertrag zum Bau des Humboldt-Forums mit der Bundesbauverwaltung unterschrieben.
 
„Ich bin überzeugt, dass Stella sämtliche Kriterien des Wettbewerbs erfüllt hat“, betont der Präsident der Berliner Architektenkammer, Klaus Meier-Hartmann. Auch, dass sich kleine Büros nach einem gewonnenen Wettbewerb große Partner suchen, sei ein normaler Vorgang. „Es gibt nur ganz wenige Büros, die so ein gigantisches Projekt alleine stemmen können“, so Meier-Hartmann. Ausdrücklich begrüßt er deshalb, dass nicht nur die wenigen bekannten Großbüros zum Wettbewerb zugelassen wurden. Dennoch zeige die aktuelle Diskussion, dass „offenbar immer wieder – vermeintliche oder tatsächliche – Ungereimtheiten auftauchen“, so der Kammerpräsident. „Es wäre Aufgabe des Auslobers, da Klarheit zu schaffen.“ Die Debatte um den Wettbewerb schade nicht nur dem Schloss, sondern dem Wettbewerbswesen insgesamt.
Doch vonseiten der Auslober des Wettbewerbs, des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, gab es bislang nur ausweichende Antworten. Gestern räumte Rainer Lingenthal, Sprecher von Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ein, dass zwar eine von Franco Stella unterschriebene Selbstauskunft vorliege, nach der die Bedingungen für die Teilnahme am Wettbewerb erfüllt sind.
 
Doch auf eine Überprüfung, so räumt man im Ministerium ein, habe man verzichtet: „Auf diese Angaben haben wir wie bei allen anderen Wettbewerbsteilnehmern vertraut.“
 
Nicht nur die Kritiker Stellas fordern nun, dass die Kontrolle schnellstens nachgeholt werden sollte, um die schädliche Diskussion ums Schloss zu beenden.
 
Berliner Morgenpost, 02.07.2009