Schöngerechnet

Schöngerechnet

(…)
Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) will mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses nicht erst im Jahr 2014, sondern schon 2013 beginnen. „Da wird noch nicht das letzte Wort gesprochen sein“, sagte Ramsauer am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. „Es wäre sinnvoll, einen kleinen Teil des Geldes, das wir für 2014 vorgesehen haben, auf das Jahr 2013 vorzuziehen, damit wir bereits dann den ersten Spatenstich machen können, zwei Jahre später als es bisher vorgesehen war.“ Ursprünglich hatte der Wiederaufbau des Schlosses 2011 beginnen sollen. Um den Haushalt zu entlasten, hatte die Bundesregierung am Montag beschlossen, den Bau auf das Jahr 2014 zu verschieben.

Für einen Baustart bereits im Jahr 2013 sprach sich am Dienstag auch die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Monika Grütters (CDU), aus. „Ich habe die stille Hoffnung, dass wir den Baubeginn vorziehen können, damit der zentrale Platz der Republik mit seiner nationalen Bedeutung nicht als Brache eine Mahnung ist“, sagte sie.

(…)

Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz hatte den Beschluss zur Verschiebung des Schlossprojekts bereits gleich nach Bekanntwerden am Montag als „reine Sparsymbolik“ bezeichnet, die „finanziell gar nichts bringt“. Denn jetzt müssten die Museen in Dahlem, die in das Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz umziehen sollten, bis 2020 hergerichtet werden, argumentierte er. Das könne bis zu 300 Millionen Euro kosten. Ob es tatsächlich so teuer werden muss, ist unklar. „Man muss sich anschauen, was notwendig ist“, sagte am Dienstag die Sprecherin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Stefanie Heinlein.

Weitere Mehrkosten durch die Verschiebung des Schlossprojekts drohen Bund und Land Berlin bei der bereits im Bau befindlichen Humboldt-Box. Sie entsteht für rund fünf Millionen Euro am Rande des Schlossplatzes und soll über den Wiederaufbau des Schlosses als Humboldt-Forum informieren. Das Problem: Der Bau der Box und der laufende Betrieb sollten durch Werbung am Bauzaun und am Baugerüst für das neue Schloss finanziert werden. Das ist bei einer Verschiebung des Schlossprojekts zunächst nicht möglich. Der private Bauherr der Box, die Firma Megaposter aus Neuss, will nun mit den Berliner Behörden beraten, wie es weitergeht. „Wir müssen die gesamte Kalkulation auf den Prüfstand stellen“, sagte der Geschäftsführer von Megaposter, Gerd Henrich. Ihm war zugesichert worden, dass die Bauarbeiten für das Humboldt-Forum zeitnah zur Fertigstellung der Humboldt-Box beginnen.

Berliner Zeitung, 09.06.2010