Schlösser geben Städten Identität zurück

„Schlösser geben Städten Identität zurück“

Auszeichnung als Kultur-Top des Jahres 2007: Bundesweites Lob für Rekonstruktion des Residenzschlosses

Von Ralph-Herbert Meyer und Norbert Jonscher

Die Rekonstruktion des Braunschweiger Residenzschlosses war umstritten, besonders in der Planungsphase. Seitdem das Schloss aber am Bohlweg wieder steht, greift Zustimmung, ja immer stärker auch Begeisterung um sich.

Jüngster Beifall kommt von der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“. Das Schloss ist in der Rubrik Tops des Kultur-Jahres 2007 aufgenommen worden. Dort steht es unter dem Stichwort Architektur auf Augenhöhe mit Peter Zumthors Diözesanmuseum in Köln und der Prado-Erweiterung in Madrid.

Wörtlich heißt es in der „Welt“: „Die Rückkehr der Schlösser in Braunschweig, Berlin, Hannover und Potsdam gibt den Städten Identität zurück.“

Oberbürgermeister Gert Hoffmann kommentiert diese Auszeichnung mit Genugtuung. „Der Wiederaufbau des Braunschweiger Residenzschlosses war wirklich bahnbrechend und Anstoß gebend für den Wiederaufbau anderer Schlösser und ähnlicher Projekte in unserem Land“, sagt er selbstbewusst.

„Auf diese Signalwirkung, die gewaltige Medienresonanz und die Verschönerung unseres Stadtbildes können wir gemeinsam stolz sein. Das Schloss wird auch in 2008 unsere Hauptattraktion sein und Besucher von weit her anziehen.“

Davon ist auch der Braunschweiger Städteplaner Professor Walter Ackers überzeugt. Er sieht im Trend zum Wiederaufbau der Schlösser ein Phänomen: ein neues Bedürfnis nach Auseinandersetzung mit der „gesamten“ Geschichte der Städte, die sich bislang auf die Zeit nach 1945 konzentrierte. Das hole man in Braunschweig, Berlin, Hannover, Potsdam nun nach. Ackers: „Man hat den Eindruck, dass Städte, die durch den Krieg, aber auch den Wiederaufbau ihr Gesicht verloren haben, heute mehr denn je kritisch in den Spiegel schauen und sich fragen, welches Bild sie abgeben.“

Er, Ackers, sei stets gegen den „reinen Wiederaufbau“ des Schlosses gewesen. Das, was nun entstand, sei überaus qualitätsvoll und, was leider viel zu häufig erwähnt werde, vor allem den Braunschweiger Architekten Richi und Opfermann zu verdanken. „Sie haben Großartiges geleistet.“ Das neue Schloss sei eine Auszeichnung für den öffentlichen Raum.

Nun aber, so Ackers weiter, müsse es darum gehen, die Geschichte auch eindrucksvoll weiterzuschreiben. „Wir brauchen keine weiteren Rekonstruktionen, sondern auch eine neue, moderne Architektur.“
Braunschweiger Zeitung, 31.12.2007