Schlossneubau in Sparversion
Der Verzicht auf Hotel, Kuppel und Glasdach soll helfen, den Wiederaufbau möglichst bald in Angriff zu nehmen.
Das Stadtschloss soll nur noch in abgespeckter Version gebaut werden. Das sieht ein Entwurf vor, der derzeit im Bundesbauministerium erarbeitet wird. Ein Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass an einem „konzentrierten Entwurf“ des als „Humboldt-Forum“ bezeichneten Neubaus gearbeitet werde. Zu den genauen Plänen wolle er sich aber noch nicht äußern. Nach Informationen dieser Zeitung sehen die Pläne vor, auf die stadtbildprägende Kuppel des Schlosses ebenso zu verzichten wie auf die Glasüberdachung des Schlüterhofes im Innern sowie auf die Tiefgarage und das in dem Komplex an der Spreeuferseite geplanten Hotels. Statt der bisher veranschlagten Baukosten von 670 Millionen Euro soll der Bau nur noch 480 Millionen kosten.
In das Forum sollen nun nur noch die außereuropäischen Sammlungen der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz einziehen, außerdem die wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität und eventuell die Landesbibliothek. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer begrüßt die Pläne: „Wenn wir die Pläne zusammenstreichen, bedeutet es auch, dass wir schneller bauen können.“ Ziel sollte es sein, so Junge-Reyer, mit dem Bau möglichst bald zu beginnen. Ob das noch 2009 sein wird, entscheidet sich, wenn die Pläne fertig sind.
Hintergrund der Planungen ist, dass zwischen dem Bauministerium und dem Bundesfinanzministerium Gespräche über die Finanzierung des Neubaus anstehen. Sie sollen „sehr bald“ beginnen, sagte der Ministeriumssprecher weiter. Spekuliert wird, dass abgespeckte Varianten des Schlosses viel eher eine Chance haben, umgesetzt zu werden.
Mit den reduzierten Plänen versucht das Ministerium die festgefahrene Debatte über den Wiederaufbau des Schlosses neu anzuschieben. Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee ist ausdrücklicher Befürworter des Schloss-Aufbaus. Die Entscheidung Berlins, sich finanziell aus dem Projekt zurückzuziehen, hatte das Projekt nicht gerade befördert. Das Interesse daran lasse aber nicht nach, so Senatorin Junge-Reyer.
Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss ist „hochzufrieden“ über die Entwicklung. „Es ist wichtig, dass etwas passiert, damit die Spender nicht den Eindruck haben, aus den Plänen werde nichts mehr.“ Dass nur noch ein reduzierter Neubau vorgesehen ist, schreckt ihn nicht: „Es ist von einer vorläufigen Planung die Rede“, sagt er, Glasdach und Kuppel können noch nachträglich errichtet werden. „Den Aufbau der Kuppel hat der Bundestag nie beschlossen“, so Boddien. Dass nun auf das Veranstaltungszentrum im Schlüterhof verzichtet werde, „kann Berlin durchaus verkraften“. Boddien steht weiterhin zu seiner Zusage, für die Fassaden 80 Millionen Euro beizusteuern. Derzeit habe der Verein 13,5 Millionen Euro gesammelt.
Der Tagesspiegel, 23.01.2007
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