Schlossbauer des Tages
Wer die Musik bestellt, bezahlt sie auch, heißt es im Volksmund. Doch das sieht die Bundesregierung im Fall des geplantes Nachbaus des 1950 gesprengten Stadtschlosses im Herzen Berlins offenbar anders. Zwar wurde der Plan für die Retrobude nebst Abriß des auf dem Grundstück befindlichen Palastes der Republik vom Bundestag beschlossen, doch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) besitzt nunmehr die Dreistigkeit, die äußerst klamme Hauptstaqdt für diese architektonische Bankrotterklärung auch noch zur Kasse bitten zu wollen. Schließlich sei es den anderen Ländern nicht vermittelbar, wenn Berlin beim Schloßbau als Nutznießer außen vor bleibe, so Neumann am Sonntag gegenüber Spiegel online.
Auf die naheliegende Lösung möglicher Finanzkalamitäten kommt Neumann natürlich nicht. Alles spräche dafür, das Projekt, welches mindestens 700 Millionen Euro verschlingen würde, einfach abzublasen. Schon das historische Vorbild, das Preußenkönig Friedrich I. 1698 als Berliner Zweitwohnsitz in Auftrag gab, war finanzpolitisch ein Desaster und städtebaulich eine Nullnummer, da der mit allerlei Barock-Schnickschnack verzierte Versailles-Abklatsch alles andere als ein Monument preußischer Baukunst war.
Auch das Großkapital hält seine Taschen auffällig zu: Die vor einigen Jahren von Wilhelm von Boddien, dem Sprecher des obskuren Schloßfördervereins, großspurig angekündigte Spendenfinanzierung der barocken Schloßfassade ist über lächerliche 14 Millionen Euro bislang nicht hinausgekommen.
Doch Neumann scheint das alles egal zu sein. Ihm geht es vermutlich nur darum, seine Existenz in Erinnerung zu rufen, denn Worte und Taten des Kulturstaatsministers tauchen in der Regel nicht einmal in der Sparte »Vermischtes« auf. Und in Berlin ist eigentlich ohnehin nichts mehr zu verschandeln. Wer sich eine architektonische Scheußlichkeit wie den neuen Potsdamer Platz leistet, hat auch ein sinnloses Stadtschloß-Remake verdient. Am besten so wie in Braunschweig, wo die restaurierte Fassade des Welfenpalastes nunmehr als Kulisse für ein Einkaufszentrum dient.
Junge Welt, 10.04.2007
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