Schlossarchitekt Franco Stella braucht Hilfe

Schlossarchitekt Franco Stella braucht Hilfe

Von Isabell Jürgens

Franco Stella muss an seinem Stadtschloss-Entwurf vor dem Bau noch einiges überarbeiten. Das konkurrierende Berliner Büro Hilmer & Sattler übernimmt nun die Entwurfs- und Ausführungsplanung. Nicht nur in Stellas bisherigem Berliner Partnerbüro herrscht Enttäuschung.

Beim Wettbewerb zum Bau des Humboldt-Forums auf dem Schlossplatz in Mitte hatte der Entwurf des in München und Berlin ansässigen Büros von Hilmer & Sattler und Albrecht immerhin einen achtbaren Platz unter dem besten 30 eingenommen. Der erste Preis ging jedoch an den Italiener Franco Stella. Wie die Morgenpost Online erfuhr, werden die deutschen Architekten doch noch eine führende Rolle bei der Teilrekonstruktion des Berliner Stadtschlosses übernehmen: Der Italiener soll das Büro mit der Entwurfs- und Ausführungsplanung beauftragt haben.

Auch für die Kostenberechnung und die Bauleitung soll Franco Stella sich prominente Unterstützung gesucht haben: Dem Vernehmen nach soll das die Berliner Filiale von gmp – Gerkan, Marg und Partner – übernehmen. Franco Stella war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Und die beiden mutmaßlichen deutschen Partnerbüros verwiesen lediglich auf den Bauherren, das Ministerium von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD).
„Wir verhandeln derzeit mit Stella über einen Architektenvertrag“, sagte Tiefensees Sprecherin Vera Moosmayer. In wenigen Wochen solle der Vertag unterzeichnet werden. „Mit wem wiederum Stella verhandelt, das ist allein seine Sache“, so die Sprecherin. Dass sich ein ausländischer Architekt vor Ort deutsche Partner suche, sei ein völlig normaler Vorgang. Und auch wenn sie die Namen der Partnerbüros nicht bestätigen könne: „Das sind doch durchaus Büros, denen man das Projekt zutrauen kann“, findet Moosmayer.
Enttäuschung und Verärgerung bei der Konkurrenz
In Berlin, der Stadt mit der bundesweit höchsten Architektendichte – rund 7000 arbeiten in der Hauptstadt –, sorgt die noch unbestätigte Nachricht von der Benennung der Kontakt-Büros jedoch für Zündstoff. Schließlich war der Unmut groß, als im November der nahezu unbekannte Italiener zum Sieger gekürt wurde. In Frankreich würden Bauten von nationaler Bedeutung natürlich von Franzosen, in England von Engländern gebaut, hieß es. In der deutschen Hauptstadt dagegen baue ein Engländer die Reichstagskuppel – und ein nahezu unbekannter Italiener ausgerechnet das Berliner Schloss, in dem mit dem Humboldt-Forum das wichtigste Kulturzentrum der Republik entstehen soll. Und während einige sich klammheimlich darüber freuen, dass statt eines italienischen nun quasi durch die Hintertür doch noch ein „deutsches“ Schloss in Berlins Mitte entsteht, üben die anderen deutliche Kritik. „Es war ja klar, dass Stella mit seiner Handvoll Mitarbeiter das nicht allein schaffen kann“, so ein Berliner Architekt, der ebenfalls am Wettbewerb teilgenommen hatte und sich nun bestätigt sieht. „Man darf nun allerdings gespannt sein, wie viel Stella schließlich noch im Schloss stecken wird – und wie viel Hilmer & Sattler“, so der Bauexperte, der anonym bleiben will.

Weniger zurückhaltend äußert sich Jan Kleihues, der beim Schloss-Wettbewerb einen der vier dritten Preise gewonnen hatte. Wie berichtet, war ein zweiter Platz nicht vergeben worden, weil die Jury den „deutlichen Abstand des Siegerentwurfs“ zu den anderen Entwürfen dokumentieren wollte. „Der ganze Vorgang ist äußerst ärgerlich“, findet der Berliner. „Wenn klar ist, dass Stella mit dem Auftrag für das wichtigste deutsche Gebäude überfordert ist, sollten alle Preisträger die Chance bekommen, ihre Entwürfe noch einmal zu überarbeiten“, fordert Kleihues. Das sei im Übrigen auch das übliche Verfahren in solchen Fällen. „Bei einem Haus dieses Ranges muss sich jedoch der Entwurfsgedanke bis ins letzte Detail durchziehen.“
Enttäuscht zeigt sich auch Karl-Heinz Winkens. Der Architekt hatte Stella in der Wettbewerbsphase als deutsches Partnerbüro gedient. „Wir haben die Basis geschaffen, damit Stella überhaupt die Wettbewerbsauflagen, etwa die Zusammenarbeit mit den erforderlichen Fachingenieuren, erfüllt“, sagt Winkens. Doch Stella habe ihm mitgeteilt, dass er die Zusammenarbeit nicht weiterführen wolle. Das Argument sei vielsagend: „Unser Büro war ihm nicht groß genug.“ Winkens hat vier bis fünf Mitarbeiter. In Stellas Büro in Vicenza sind es allerdings mit fünf bis acht Mitarbeitern nicht viel mehr.

Berliner Morgenpost, 13.02.2009