Schloss auf Raten
Kommentar
von Rainer Haubrich
Beim Wiederaufbau des Berliner Schlosses als Humboldt-Forum können selbst aufmerksame Beobachter den Überblick verlieren. Seit Jahren ist immer wieder davon die Rede, dass nun der „endgültige Durchbruch“ erreicht sei. Davon sprachen manche schon bei der Installation einer Schloss-Attrappe 1993, es folgte der historische Wiederaufbau-Beschluss des Bundestages im Sommer 2002. Durchbrüche waren auch die Machbarkeitsstudie, der Kabinettsbeschluss sowie die Einigung im April dieses Jahres über die Aufteilung der Kosten zwischen Bund und Berlin.Jetzt ist vom vielleicht „endgültigsten endgültigen Durchbruch“ zu berichten: Auch der Haushaltsausschuss des Bundestages hat grünes Licht für das Kulturschloss gegeben, mit einer „verbindlichen Kostenobergrenze“ von 552 Millionen Euro. Dafür stimmten die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD sowie FDP und Bündnis 90/Die Grünen – gegen die Linksfraktion. Wird diese Obergrenze doch überschritten, muss Bauminister Tiefensee woanders in seinem Etat sparen. Von der auf 108 Millionen Euro festgesetzten ersten Baurate werden zunächst allerdings nur drei Millionen Euro für den Architektenwettbewerb freigegeben. Dessen Ausschreibung ist so gut wie fertig, Baubeginn könnte nach dem Abriss des Palastes der Republik schon im Jahre 2010 sein.Zwar weist der haushaltspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Steffen Kampeter, darauf hin, dass das Projekt haushaltsrechtlich noch nicht beschlossen sei, „weil die sogenannten Verpflichtungsermächtigungen qualifiziert gesperrt sind“. An dieser Nuance dürften sich aber nur Finanzexperten erfreuen – das Humboldt-Forum ist politisch durch.Rechnet man die Kosten für die Wiederherstellung der Museumsinsel von 1,3 Milliarden Euro hinzu, wird Deutschland für das kulturelle Herzstück seiner Hauptstadt insgesamt etwa zwei Milliarden Euro ausgeben. Damit etabliert sich Berlin dauerhaft in der Spitze der Museumsstädte dieser Welt -wovon am Ende das ganze Land profitiert. Zum Vergleich: Den Umbau des wichtigsten französischen Museums zum „Grand Louvre“ ließ sich Frankreich vor zehn Jahren umgerechnet rund eine Milliarde Euro kosten. Aber der damalige Direktor des Louvre, Pierre Rosenberg, erkannte schon vor Jahren den Ehrgeiz der deutschen Hauptstadt: „Museumsinsel und Schloss in Berlin werden eines Tages mehr bieten als der Louvre.“
Die Welt, 10.11.2007
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