Schaustellen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

Schaustellen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls

Berlin-Board will die Veränderungen im Stadtbild im kommenden Jahr kulturell in Szene setzen
Von Joachim Fahrun

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009 will Berlin an markanten Orten die Veränderungen der Stadt seit dem Ende der Teilung dokumentieren. Geplant ist, dafür die Idee der Schaustelle aus den 90er-Jahren wieder aufleben zu lassen. Darüber haben gestern der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und seine hochrangigen Gesprächspartner bei der zweiten Sitzung des Berlin-Boards diskutiert.

In der Runde ging es zweieinhalb Stunden um die Entwicklung der Kultur in Berlin. Das Datum 2009 biete die Gelegenheit, die „dramatischen und grandiosen Veränderungen“ zu dokumentieren und Bilanz zu ziehen, sagte Wowereit, als er gemeinsam mit Herrmann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vor die Presse trat.

Zwar gebe es für das Vorhaben von 2009 noch kein Budget. Wowereit deutete aber an, dass die Lotto-Stiftung, bei der der Regierende Bürgermeister dem Beirat vorsteht, die Aktivitäten finanzieren werde. Koordiniert werden soll die Reihe von Veranstaltungen, Ausstellungen und Dokumentationen von der Senatskulturverwaltung und der landeseigenen Gesellschaft Kulturprojekte.

Höhepunkt des Jahres soll eine große Veranstaltung am 9. November auf dem Pariser Platz sein. Auch eine von der Havemann-Gesellschaft geplante große Ausstellung auf dem Alexanderplatz soll an die Überwindung der Teilung Berlins und Deutschlands erinnern.

Viel Zeit widmeten Wowereit und seine Gesprächspartner der Frage, wie das Humboldt-Forum am Schlossplatz die kulturelle Landkarte der Stadt verändern werde. Einig sei sich das Gremium gewesen, dass man im Gebäude hinter der geplanten Schlossfassade die außereuropäischen Kulturen darstellen müsse, ohne in Eurozentrismus zu verfallen. Das Forum müsse ein lebendiger Ort auch der Wissenschaft und der kulturellen Bildung sein.

Parzinger sprach sich dafür aus, die Museumsquartiere Berlins stärker zu profilieren. Die Museumsinsel solle die Epochen von der Urzeit bis ins 19. Jahrhundert abdecken. Ein mit dem Bode-Museum verbundener neuer Galeriebau sollte die Alten Meister aufnehmen, die derzeit noch in der Gemäldegalerie auf dem Kulturforum an der Neuen Nationalgalerie gezeigt werden. Dort wiederum könnte eine Galerie des 20. Jahrhunderts sich der klassischen Moderne widmen und auch Bestände des Hamburger Bahnhofs aufnehmen. Dieser sollte der zeitgenössischen Kunst noch mehr Raum bieten, auch durch eine mögliche feste Kunsthalle in der Nachbarschaft.

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hatte die Diskussion mit einem Referat über die Potenziale der Stadt eingeführt. Berlin zeichne sich durch die vielen innerstädtischen Brachen aus, die Raum für Kunst böten. In diesem Zusammenhang sprach Wowereit davon, das Marx-Engels-Forum zwischen Humboldt-Forum und Fernsehturm langfristig umzugestalten. Dort werde Urbanität unterbrochen: „Wenn ich aus meinem Rathaus gucke, merke ich, wie dort etwas fehlt.“
Berliner Morgenpost, 11.03.2008