„Rossebändiger sollen bleiben: SPD und Grüne gesprächsbereit bei Sanierungskonzept für den Kleistpark“

24.10.2015    Berliner Woche

Von Karen Noetzel

Schöneberg. Die Rossebändiger sollen im Heinrich-von-Kleist-Park bleiben. Ein entsprechender Antrag der SPD-Fraktion wurde mit der Mehrheit der rot-grünen Zählgemeinschaft jetzt in der BVV beschlossen.

Darin wird das Bezirksamt aufgefordert, die beiden Skulpturen nicht für eine „Verschönerung“ des Umfelds des Stadtschlosses herauszurücken. Eine Rückführung der Rossebändiger von Peter Jacob Clodt von Jürgensburg aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an ihren früheren Platz hatte die Gesellschaft Berliner Schloss gefordert.

Der Neubau sei nur vermeintlich das Berliner Stadtschloss, argumentiert der kulturpolitische Sprecher der SPD, Christoph Götz. Das Humboldtforum ahme das Schloss in seiner Kubatur und in drei von vier Fassadenansichten nur nach. Für die Sozialdemokraten sind die Rossebändiger in den 70 Jahren im Kleistpark Teil der Schöneberger Geschichte geworden.

Berlin sei eine Stadt, erwidert dazu CDU-Fraktionschef Ralf Olschewski. Es sei daher eine Selbstverständlichkeit, Kunstwerke zusammenzuführen. Für den Kleistpark kann sich Olschewski anstelle der Rossebändiger moderne Kunst vorstellen.

Im Mittelpunkt des SPD-Antrags steht die neuerliche Forderung, ein Konzept für die Sanierung des Kleistparks zu entwickeln, damit er zu einem „sicheren, sauberen und attraktiven Ort für Kultur und Freizeit“ wird. Einen entsprechenden Auftrag habe Baustadtrat Daniel Krüger (CDU) schon seit vergangenem Jahr, sagt Christoph Götz.

Die SPD wirft dem Stadtrat eine „ganz unglückliche Interessensvermischung“ vor, weil er als Vorstandsmitglied und Schatzmeister der Gesellschaft Berliner Schloss im Sommer Unterschriften für die Umsetzung der Rossebändiger angeblich mit Verweis auf den verwahrlosten Kleistpark gesammelt habe.

Daniel Krüger hatte den Auftrag zur Entwicklung eines Konzepts mit dem Hinweis abgelehnt, es fehlten ihm dafür die notwendigen Mittel. CDU-Fraktionsvorsitzender Olschewski verteidigt den Baustadtrat. SPD und Grünen hätten Mittel für die Grünpflege gestrichen. „Gleichzeitig eine Parksanierung zu fordern, geht nicht“, so Olschewski.

Bei allem Vorwahlkampfgeplänkel lässt sich bei der rot-grünen Zählgemeinschaft trotzdem Gesprächsbereitschaft in Sachen Rossebändiger erkennen. „Wenn für den Kleistpark doch noch eine vernünftige Konzeption entwickelt wird“, so Christoph Götz nach der BVV-Sitzung.

Ralf Olschewski ist optimistisch, dass die Rossebändiger eines Tages vor dem wieder errichteten Stadtschloss stehen. Und der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Matthias Steuckart versichert, bis sich moderne Ersatzskulpturen fänden, verblieben sie in Schöneberg.

 

Quelle: Berliner Woche, 24.10.2015

 

 

 

Ein Kommentar zu “„Rossebändiger sollen bleiben: SPD und Grüne gesprächsbereit bei Sanierungskonzept für den Kleistpark“

  1. Welch ein würdeloses Geschacher in „ganz
    unglücklicher Interessenvermischung“ von Bezirksamt, Stadtrat, SPD-Sprecher
    und Zählgemeinschaft um die Rückführung der Rossebändiger auf die Museumsinsel!
    Natürlich
    darf die Umsetzung der Rossebändiger nicht mit der Verwahrlosung des
    Kleistparks gerechtfertigt werden. Die Umsetzung ist anders legitimiert.
    Bei
    der Rückführung der Rossebändiger geht es nicht um eine „Verschönerung“ des
    Umfeldes des Stadtschlosses als billig-beliebige Dekoration, sondern es geht um
    die Wiedergewinnung von viel älterer, authentischer Stadtgeschichte.
    Natürlich
    ist es notwendig, den Kleistpark zu sanieren, sicher und sauber zu gestalten,
    dies an keine Bedingungen zu knüpfen und das Konzept sowie die Finanzierung
    sicherzustellen.
    Sicher
    ist es wünschenswert, im Zuge der Sanierung dort ein bedeutungs­volles
    Kunstobjekt aufzustellen, das den Ort in der NS-Zeit und in der Zeit des
    Alliierten Kontrollrats „zeitgemäß“ wiederspiegelt.
    Völlig
    unangebracht ist es, wenn Christoph Götz die Rückführung der Rossebändiger mit seinem
    herablassenden Urteil gegen die Teil-Rekonstruktion des Schlosses verknüpft und
    mit der Behauptung ablehnt, der Neubau sei nur „vermeintlich“ das Berliner
    Stadtschloss. Das Humboldtforum „ahme das Schloss in seiner Kubatur und in drei
    von vier Fassadenansichten nur nach“.
    Bei
    der Schloss-Rekonstruktion ist nichts „vermeintlich“, hier wird nichts nur „nach­geahmt“.
    Hier werden funktionsgerecht, offen, transparent, stilsicher und hand­werklich
    professionell zerstörte Gebäudeteile mit modernen Techniken rekonstruiert, so
    wie das an hunderten anderer von Kriegen und Ideologien zerstörter wertvoller Kunst-Bauwerke
    in Europa gelungen ist.
    Selbstverständlich
    gehören zur Restauration des Gebäudeensembles im Zentrum Berlins gerade auch
    die erhaltenen Kunstwerke Rossebändiger, Neptunbrunnen, die Anlage der
    Schlossterrassen usw. zurück an ihre Originalplätze.

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