Rasen für die Volkswiese

Rasen für die Volkswiese

Nach dem Abriss des Palastes der Republik wird der Schlossplatz für ein paar Monate begrünt

Ulrich Paul

Eine große Sandfläche hinter einem Bauzaun – mehr ist nicht übrig geblieben vom Palast der Republik. Im Dezember vergangenen Jahres wurden die letzten Reste des einstigen „Hauses des Volkes“ abgerissen. Die Brachfläche, die danach entstand, misst gut 20 000 Quadratmeter. Ein Areal, das so groß ist wie drei Fußballplätze.

Bis zum Baubeginn für das neue Schloss soll die Fläche jetzt provisorisch begrünt werden. Eine „Volkswiese“ mit Holzstegen soll dort entstehen, sagt Martina Kaiser vom Büro Relais Landschaftsarchitekten, nach deren Plänen das Areal gestaltet wird. Auf dem Rasen können die Besucher dann Federball, Volleyball oder Frisbee spielen – oder sich einfach ausruhen. Auf den Holzstegen kann man am Spreeufer promenieren und die geplanten archäologischen Grabungen verfolgen. Ziel sei es, die begrünte Fläche im Sommer für die Öffentlichkeit freizugeben, sagt Marko Rosteck, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bevor es so weit ist, stehen aber einige Arbeiten an.

Sandfüllung für die Betonwanne

So müssen zunächst 10 000 Kubikmeter Füllboden angeliefert werden, um die Brachfläche einzuebnen. Dann kommen oben drauf rund 6 500 Kubikmeter Mutterboden. Der Füllboden wird benötigt, weil die Fläche, auf der einst der Palast der Republik stand, nicht auf einem Niveau mit dem übrigen Schlossplatz liegt, sondern etwas tiefer. Es handelt sich dabei um die noch erhaltenen Untergeschosse des Palastes, die vor dem Abriss mit Sand gefüllt worden waren. Durch die Sandfüllung sollte verhindert werden, dass die in einer Betonwanne errichteten Untergeschosse durch den Druck des Grundwassers nach oben gehoben werden. Die seitlichen Wände der Untergeschosse sind derzeit gut zu sehen. Die Wanne, die mit Erdreich aufgefüllt werden muss, ist 120 Meter breit und 180 Meter lang. Sobald der Frost aus dem Boden raus ist, soll der Füllboden angeliefert werden, sagt Michael Möller, Projektleiter für den Abriss des Palastes. Das Erdreich wird mit Lastwagen zum Schlossplatz transportiert. 650 Fuhren sind nötig, um den Füllboden heranzuschaffen. Er kommt von verschiedenen Baustellen und aus Kiesgruben. Etwa fünf Wochen werde die Anlieferung dauern, sagt Marko Rosteck.

Im März sollen dann die Arbeiten für den Landschafts- und den Holzbau beginnen, Mitte Mai werde der Rasen ausgesät. „Frühestens nach sechs Wochen kann man die Fläche dann begehen“, sagt Ros-teck. Ende Juni oder Anfang Juli soll sie eröffnet werden. Die Kosten betragen 1,3 Millionen Euro. Darin enthalten sind allerdings schon die Ausgaben für jene Grünflächen und Holzstege, die im vergangenen Jahr auf der westlichen Seite des Schlossplatzes fertiggestellt wurden. Das Regenwasser, das sich in der Wanne des Palastes sammelt, wird durch Drainage-Leitungen zu zwei Sammelschächten geführt und von dort über Pumpen in die Kanalisation abgeleitet. Die Bewirtschaftung der Grünfläche, zu der die Entwässerung der Wanne gehört, kostet pro Jahr 30 000 Euro.

Weitere Schlossfundamente, die noch unter dem Asphalt des Schlossplatzes vermutet werden, sollen ab April dieses Jahres freigelegt werden. Die Betonwanne des Palastes der Republik wurde bei den Abrissarbeiten nicht beschädigt, sagt Michael Möller. Sie könne beim späteren Bau des Schlosses also theoretisch mit einbezogen werden. Wenn die Wanne nicht integriert werden kann, soll sie zum größten Teil im Erdreich bleiben und überbaut werden.

Die provisorische Begrünung ist zunächst nur bis zum Jahr 2010 geplant. Dann soll der Bau des Schlosses beginnen. Wenn der Termin nicht eingehalten wird, muss keiner Angst davor haben, dass die provisorische Gestaltung zusammenbricht. „Unsere Stege halten auch länger“, verspricht Martina Kaiser.

Berliner Zeitung, 12.02.2009