Palast-Abriss ist ein Fall für die Kripo
Der Abriss des Palastes der Republik wächst sich immer mehr zu einem Skandal aus. Nachdem sich die Kosten für die Asbestbeseitigung in den Jahren 1998 bis 2003 bereits auf rund 80 Millionen Euro verdoppelt haben, wollen die beteiligten Firmen auf dem Klageweg nun weitere 7,9 Millionen Euro erstreiten. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) teilte der Berliner Zeitung gestern mit, dass insgesamt fünf Klagen anhängig seien. Eine Klage auf Zahlung von 6,6 Millionen Euro sei erst kürzlich eingereicht worden. Kurios: Während die Baufirmen mehr Geld für die bereits erfolgte Asbestsanierung fordern, wird beim Abriss der Palastruine an immer mehr Stellen Asbest gefunden.
Bei den Asbestfunden vom vergangenen Mittwoch stellte das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheit und technische Sicherheit (Lagetsi) gleich gravierende Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften auf der Abbruchbaustelle fest und erstattete Anzeige beim Landeskriminalamt. Grund: Bauarbeiter hatten nicht erkannt, dass das Dichtungsmaterial außer Glasfaser auch noch Asbest enthielt. Das stellte erst das Lagetsi bei einer Baustellenbesichtigung fest. Lagetsi-Sprecher Robert Rath sagte, es habe zwar keine Luftmessungen gegeben, es spreche aber „alles dafür, dass Asbestfasern freigesetzt worden sind“. In welcher Menge, könne nicht gesagt werden.
Als Konsequenz aus dem Vorfall werden die Sicherheitsvorkehrungen auf der Abrissbaustelle weiter verschärft. Wenn die Arbeiter ein neues Bauelement anfassen, werden sie künftig zunächst immer Schutzanzüge tragen. Ein Bauexperte wird dabei sein und beurteilen, ob der Bereich frei von Asbest ist oder nicht. Wenn kein Asbest gefunden werde, könne ohne Schutzanzug weitergearbeitet werden.
Berliner Zeitung, 27.09.2006
Deutsch
English
Francais
