Palast der Republik verliert jetzt Stahlträger
Die Ruine des Palastes schrumpft weiter. Mit dem Abbau des letzten schweren Stahlträgers hat eine neue Phase des Abrisses begonnen. Nun ragen nur am Schlossplatz nur noch Betonstelen in die Luft und erinnern an den einstigen DDR-Prunkbau. Bis zum Frühjahr soll nichts mehr stehen.
Das Klicken unzähliger Fotoapparate und das Surren von Kameras signalisierte am Dienstagvormittag, dass an der Ruine des Palastes der Republik etwas Außergewöhnliches passierte: Im Zuge der Abrissarbeiten demontierten zwei riesige Schwerlastkräne den letzten großen Stahlträger des Vorzeigegebäudes der ehemaligen DDR. Entsprechend groß war die Schar der Schaulustigen, die die Millimeterarbeit der Kranführer beobachteten. Nach Stunden war es geschafft – und der 90 Meter lange, sieben Meter hohe Stahlträger mit einem Gewicht von 120 Tonnen schwebte langsam auf den Boden.
In den kommenden Tagen werden Schweißer den Stahl-Koloss zerteilen. Danach wird er mit anderem Palast-Altmetall von Lastkähnen auf der Spree abtransportiert. Abnehmer und Käufer ist das Unternehmen Schrott-Wetzel GmbH in Roßlau an der Elbe (120 Kilometer von Berlin entfernt). Insgesamt hatten zehn Stahlträger den „Großen Saal“ des 1976 erbauten Gebäudes überspannt. Bei einem derzeitigen Stahl-Schrottpreis von rund 350 Euro pro Tonne, kommt ein Einnahmewert allein durch die zehn Träger von 420.000 Euro zusammen. Später wird der Palast-Stahl zu neuem Stahl „gekocht“ und für andere Gebäude verwendet.
Ecktürme sollen bis Jahresende verschwinden
Mit der Demontage des Riesenträgers begann die letzte Abbruchphase des Palastes. An der Ruine ragen jetzt nur noch an den Seiten vertikale Träger und Betonteile mehrgeschossig in die Höhe. In der Mitte klafft eine große Lücke und gibt den Blick über die Spree zum Marx-Engels-Forum sowie dem Fernsehturm frei. Links und rechts wird in den nächsten Monaten noch kräftigt weiter demontiert. So müssen an der Ruine der ehemaligen Volkskammer, die direkt an die Karl-Liebknecht-Straße grenzt, Betonplatten zerschnitten und von Asbest gereinigt werden.
Bis zum Jahresende sollen schließlich die acht verbliebenen Ecktürme des großen Saals mit Eisenfräsen und Presslufthämmern zerlegt werden. Nach Auskunft der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung läuft alles nach Plan. „Bis zum Frühjahr 2009 soll das Gebäude vollständig zurückgebaut sein“, sagt Sprecherin Manuela Damianakis. Eine dreieinhalbjährige Abbruchzeit geht damit zu Ende.
Auf dem Berliner Schloßplatz entsteht dann neben einer zeitweiligen Kunsthalle eine provisorische Grünfläche. Von 2010 an soll auf dem Platz das Humboldt-Forum mit den historischen Fassaden des Berliner Stadtschlosses gebaut werden.
Neben dem Humboldt- Forum soll von 2010 an auch an der Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz gearbeitet werden; damit wird dieser Bereich mit zwei Großbaustellen gleichzeitig belastet, was zu erheblichen Verkehrsbehinderungen führen dürfte.
Die Palast-Abriss-Kosten sollten ursprünglich 12 Millionen Euro betragen – nach Asbestfunden werden es mehr als 32 Millionen Euro sein.
Berliner Morgenpost, 15.07.2008
Deutsch
English
Francais
