Nur wenig Interesse am Schlossbau
Die Zahl der Bewerber für den Architektenwettbewerb zum Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Eine Sprecherin des Bundesbauministeriums sagte gestern, es seien bislang insgesamt 158 Bewerbungen aus dem In- und Ausland eingegangen. Noch vor einer Woche hatte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) in einem Interview mit der Berliner Zeitung gesagt, er gehe davon aus, „dass es mindestens eine große dreistellige Zahl an Bewerbern geben wird“. Die Zahl von lediglich 158 Interessenten wird von Insidern als sehr niedrig bewertet.
Die Sprecherin des Ministeriums sprach gestern indes von einer „Punktlandung“. Schließlich sei es das Ziel gewesen, über das Bewerbungsverfahren rund 150 Teilnehmer für den Wettbewerb auszuwählen. Dies sei nun möglich. Es seien weniger Bewerber als gedacht, räumte man im Ministerium ein. Ein Grund dafür könne „die komplexe Bauaufgabe“ sein. Zehn Prozent der Bewerber kommen nach Angaben der Ministeriumssprecherin aus dem Ausland. Unter den Interessenten seien „sehr gute“ Architekturbüros, so die Sprecherin.
Von Architektenseite hatte es im Vorfeld des Wettbewerbs heftige Kritik an den Vorgaben zur Rekonstruktion der Schlossfassaden gegeben. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hatte beispielsweise mehr gestalterische Offenheit verlangt, damit auch Entwürfe mit einer modernen Architektur eine Chance bekommen. Der Bundestag hatte jedoch seinen Beschluss bekräftigt, dass die Fassaden an der Nord-, West- und Südseite nach historischem Vorbild rekonstruiert werden sollen. Wie viele der 158 Bewerber für die erste Runde ausgewählt werden, ist noch unklar. Angesichts der geringen Zahl könnte es durchaus passieren, dass die angepeilte Zahl von 150 Wettbewerbsteilnehmern unterschritten wird, hieß es in Fachkreisen.
Berliner Zeitung, 25.01.2008
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