Noch mehr Sorgen um die Spenden

Noch mehr Sorgen um die Spenden

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Die größten Sorgen macht sich Wilhelm von Boddien, der 68-jährige Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, der 1993 die Fassadeninstallation auf den Weg gebracht hatte. Boddien hat die Bundesregierung aufgefordert, spätestens 2013 mit dem Wiederaufbau des Schlosses zu beginnen. „Wir müssen erreichen, dass dieser Termin noch in diese Legislaturperiode vorverlegt wird“, sagte Boddien. Die Bundesregierung habe in ihren Sparbeschlüssen vom Montag zwar den Baubeginn auf 2014 verbindlich festgelegt, das sei aber eigentlich unverbindlich, weil sie wegen der Bundestagswahl 2013 dann möglicherweise nicht mehr im Amt sei. Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) signalisierte Entgegenkommen. Es wäre sinnvoll, sagte er gestern, den ersten Spatenstich 2013 zu machen.
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Wenn sich nichts tut mit dem Bau, wird die Spendenbereitschaft nicht zunehmen. „Die Spender wollen sehen, dass etwas passiert“, sagt Boddien und verweist auf die Dresdner Frauenkirche, wo zwei Drittel der Mittel erst im letzten Drittel der Bauzeit gespendet worden seien.
Boddien ist klar, dass Spenden grundsätzlich nicht rückzahlbar sind. Sollten also Geldmangel und Bauverschiebung dazu führen, dass man sich, trotz des Bundestagsbeschlusses zum Schloss, für eine andere, moderne architektonische Lösung entscheidet, hätten die Spender ihr Geld in den Sand gesetzt.
Und die Schlossgegner nutzen die – aus ihrer Sicht – Gunst der Stunde natürlich, um die Architekturdebatte neu zu entfachen.
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Berliner Kulturpolitiker fordern, im Gegenzug zur Bauverschiebung müsse die Bundesregierung jetzt das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst im Stadtteil Dahlem sanieren lassen. Weil die Sammlungen ins Schloss verlegt werden sollen, ist an den Museumsbauten nur noch das Allernötigste instand gehalten worden. Die Sanierungskosten werden auf 200 Millionen Euro geschätzt.

Märkische Allgemeine, 09.06.2010