Noch eine Kuppel

Noch eine Kuppel

Der Wettbewerb zum Wiederaufbau des Schlosses beginnt – in sechs Jahren soll es stehen
Ulrich Paul

Der Blick von der Reichstagskuppel über die Stadt ist „die“ Attraktion für Touristen. In einigen Jahren wird es eine weitere geben – nämlich das wiederaufgebaute Stadtschloss. Und auch eine Kuppel. Fest steht seit gestern nicht nur, dass der Wettbewerb zum Bau des schlossähnlichen Humboldt-Forums beginnt, wie Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) verkündete. Sondern auch, dass der Neubau eine Kuppel bekommen wird. Ob historisch gestaltet oder ansprechend-modern wie auf dem Reichstag, ist noch nicht entschieden. „Ich bin in der Frage nicht festgelegt. Wichtig ist, dass dort überhaupt eine Kuppel entsteht“, sagte Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD).

Der Wettbewerb zur Gestaltung des Humboldt-Forums startet offiziell mit einer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt Mitte Dezember. Im November kommenden Jahres soll dann feststehen, welcher Architekt das Projekt planen darf. Der Baubeginn soll 2010 sein, 2013/14 könnte das Gebäude dann stehen, so der Bauminister.

Tiefensee sagte, die Vorgaben des Bundestages zur Rekonstruktion der historischen Fassaden und des Schlüterhofs würden 1:1 umgesetzt. Im Vorfeld des Wettbewerbs hatte es Befürchtungen gegeben, dass der beschlossene Wiederaufbau der Barockfassaden an der Nord-, West- und Südseite unterlaufen werden könnte. Der Ausschreibungstext und die Besetzung des Preisgerichts wurden deshalb mit Spannung erwartet. Das 15-köpfige Preisgericht, dessen Namen gestern präsentiert wurden, besteht ersten Einschätzungen zufolge mehrheitlich aus Personen, die die geplante Rekonstruktion „nicht als Zumutung verstehen“. Trotz der strengen Wettbewerbsvorgaben können die Architekten auch neue Ideen einbringen. So kann die Ostseite des Forums frei und damit auch modern gestaltet werden. Um an die Geschichte des Palastes der Republik zu erinnern, sind an der Stelle des früheren Volkskammersaals „bauliche Zitate“ möglich, sagte Tiefensee. Die Kellergeschosse des Palastes, die nach dem jetzt laufenden Abriss in der Erde bleiben, sollen beim Bau des Humboldt-Forums bis auf die 1,50 Meter dicke Bodenplatte entfernt werden.

Die Baukosten für das Humboldt-Forum belaufen sich laut Tiefensee auf 480 Millionen Euro, zuzüglich der 72 Millionen Euro für die Ersteinrichtung des Hauses. 32 Millionen Euro steuert das Land Berlin bei, 80 Millionen Euro will der Förderverein Berliner Schloss als Spenden sammeln, um die Rekonstruktion der Fassaden zu bezahlen. „Ab heute läuft die Uhr in Richtung Realisierung“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann. „Wir arbeiten nicht mehr für die Schublade.“ Im kommenden Jahr solle auf dem Schlossplatz ein Infopavillon mit dem Namen Humboldt-Box errichtet werden. Darin soll über das Projekt informiert werden.

Anders als zunächst gedacht, wird der Architektenwettbewerb keine weltweit offene Ideenkonkurrenz. Vorgeschaltet wird eine Bewerbungsphase, in der sich Interessierte vorstellen müssen. Eine Chance haben nur die, die Erfahrungen beim Bau von kulturellen Großprojekten vorweisen können. Aus diesen Bewerbern werden 150 Büros für die erste Bearbeitungsphase ausgewählt. Wenn sie abgeschlossen ist, kommen dann 30 bis 40 Büros in die engere Wahl.
Berliner Zeitung, 27.11.2007