Neue Schlossgespräche

Neue Schlossgespräche – Über die Leerstelle im Herzen der Republik

Die ewigen Schlossgespräche sind amüsant und ärgerlich. Amüsant ist, dass  man noch vor ein paar Jahren diskutierte, ob es nicht die Fassade des Schlosses allein täte und man dahinter Nützliches verberegen könnte, ein Hotel zum Beispeil, während man jetzt meint, ein Gebäude ohne Fassade täte es.

Amüsant ist auch, dass sich angesichts eines jeden einezelnen Schrittes in Richtung Humboldtforum, ob Abrissbeschluss, Neubaubeschluss, Architekturwettbewerb und Preisverleihung immer wieder das gleiche Ritual derer abspielt, die sich den Beschlüssen nicht beugen wollen.

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Eine jedoch überflüsige Diskussion, sozusagen aus journalistischer Brillanz vielleicht, um damit die alten Geister wieder aufzuwecken, ist aber auch ärgerlich, denn sie entfacht Irritationen, die besser unterblieben.

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Gegner des Baus kommentieren, Ramsauer habe neben der Kuppel und Fassade eigentlich nur vergessen, den Rest zu streichen, was eh besser wäre, und jemand befürchtete gar, er müsse in ein paar Jahren seinen Besuchern voll Scham ein deutsches Rumpfprojekt vorführen. Was soll das, fragt man sich, abgesehen davon, dass wenig Zutreffendes darin enthalten ist?

Es trifft nämlich nicht zu, dass Ramsauer am Kulturforum oder seiner Gestalt zweifelt. Er setzt einen Parlamentsbeschluss um und mag nicht gleich in vorauseilendem Gehorsam das Scheckbuch gezückt und nach den Wünschen des Maestro gefragt haben. Ansonsten hat er sich mehrfach für den Bau und auch in seiner jetzt geplanten Form starkgemacht.

Es stimmt auch nicht ganz, dass der Schlossverein Probleme hat, das Geld einzuwerben. Boddien hatte bereits Millionen eingeworben, als die Sache noch unsicher war, und seit 2006 treffen rund zwei Millionen Spenden jährlich ein. Der fortschreitende Bau dürfte das Spendenaufkommen noch fördern, wobei es vielleicht noch einmal zu überdenken wäre, warum man das Geld nur für die Fassade einwirbt und nicht schlicht als Teil der Bausumme. Damit entsteht der falsche Eindruck, es wäre strittig, ob und welche Fassade das Forum haben sollte.

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Das Forum ist also keineswegs in der Krise. Es wird gebaut werden, es wird damit ein Abrissfehler gutgemacht. Es wird auch – wie der ehemalige „Palast des Volkes“ – ein öffentlich-kultureller Raum werden und nebenbei für die Stadt keine schlechte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.
Am Rande kann man erwähnen, dass die Gesamtkosten die eines mittelgroßen U.Bahn-Knotesns nicht übersteigen. Das weiß auch die Regierung – letzten Endes und wenn alle Stricke reißen. Doch die reißen sicherlich nicht!

www.dradio.de, 11.05.2010