Mit der UBahn ins Schloss

Mit der U-Bahn ins Schloss

Der Termin steht jetzt fest. Wenn im Jahr 2010 die Arbeiten für den Bau des schlossähnlichen Humboldt-Forums auf der Spreeinsel beginnen, soll gleichzeitig ein weiteres Großprojekt gestartet werden: die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor. Das geht aus einem Schreiben der Staatssekretärin im Finanzministerium, Barbara Hendricks, an den Vorsitzenden des Bundestags-Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), hervor. Das Land Berlin verpflichte sich, „spätestens am 1. April 2010 mit dem Weiterbau vom Brandenburger Tor zum Alexanderplatz zu beginnen“, heißt es in dem Schreiben.

Mit dem Bau des Abschnitts vom Alexanderplatz bis zum Brandenburger Tor wird der Teil der U-Bahn-Linie 5 realisiert, der für einen durchgehenden Verkehr von Hönow bis zum Hauptbahnhof noch fehlt. Lediglich die 1,9 Kilometer lange Teil-Strecke vom Brandenburger Tor bis zum Hauptbahnhof ist bislang fertig. Der Weiterbau wurde vom rot-roten Senat gestoppt, um Geld zu sparen.

Dass jetzt auch der Abschnitt bis zum Alexanderplatz bereits ab 2010 gebaut werden soll, liegt an der neuen Zeitplanung für den Bau des Humboldt-Forums. Auf Druck von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sollen die Arbeiten für das Forum bereits im Jahr 2010 beginnen. Da das Gebäude von dem U-Bahn-Tunnel unterquert wird, sollen die beiden Projekte zeitlich gemeinsam realisiert werden. Am Schlossplatz muss zuerst der Tunnel gebaut werden, dann erst kann darüber das Humboldt-Forum entstehen. Dass die Bauarbeiten für die Verlängerung der U 5 spätestens am 1. April 2010 beginnen, wie die Finanz-Staatssekretärin erklärte, mochte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestern nicht bestätigen. Die Bauzeiten müssten mit dem Bund noch abgestimmt werden, sagte Behördensprecherin Petra Rohland. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) begrüßten derweil die Äußerungen aus dem Finanzministerium als „wichtiges Signal“. Sieben Jahre werde der Bau der U-Bahn-Strecke vom Brandenburger Tor bis zum Alexanderplatz dauern, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. U-Bahnhöfe seien am Roten Rathaus, am Schlossplatz (Spreeinsel) und an der Kreuzung Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße geplant. Wunsch der BVG sei es, dass die Fahrgäste, die am Schlossplatz aussteigen, einen direkten Ausgang zum Humboldt-Forum bekommen, sagte Reetz. Denkbar sei, dass das im Humboldt-Forum geplante Museum bereits im Bahnhof anfange.

Die Bauarbeiten für die U-Bahn erfolgen nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde weitgehend unterirdisch im Schildvortrieb. Lediglich an den Bahnhöfen müssten offene Baugruben entstehen.

Die gesamten Kosten für die Verlängerung der U 5 belaufen sich auf 664 Millionen Euro. 80 Millionen davon sind reine Landesmittel, 150 Millionen Euro bezahlt der Bund. Weitere 434 Millionen Euro kommen aus Bundesmitteln für die Infrastruktur der Länder. Mit diesen Mitteln hätte man in Senatskreisen lieber die Sanierung der maroden U-Bahn-Tunnel oder den Einbau von Aufzügen auf den Berliner Bahnhöfen bezahlt. Weil der Bund aber bei einem Baustopp mit der Rückforderung seiner bereits gezahlten Zuschüsse für den U-Bahn-Abschnitt vom Hauptbahnhof zum Brandenburger Tor gedroht hatte, sagte Berlin den Weiterbau der restlichen Strecke zu. Bedenken gegen den Weiterbau gibt es jedoch bei der Linkspartei. Verkehrsexpertin Jutta Matuschek sagte gestern, sie wolle vorher noch Alternativen prüfen.
Berliner Zeitung, 06.06.2007