Mit den Indianern auf Augenhöhe
Von Ureinwohnern lernen: Museum Dahlem und FU arbeiten an einem völlig neuen Ausstellungskonzept für den Umzug nach Mitte.
(…)
Wenn das Stadtschloss eines Tages wiedererrichtet sein wird, zieht das Ethnologische Museum von Dahlem in Berlins Mitte, in das Humboldt-Forum. Und während noch immer darüber gestritten wird, wer das Humboldt-Forum wie aufbauen darf, sind die Ethnologen in Dahlem schon dabei, etwas sehr Ungewohntes auf den Weg zu bringen. „Wir wollen weg von der rein europäischen Sichtweise, die über die fremden Kulturen aufklärt“, sagt Viola König, die Direktorin des Dahlemer Museums bei einem Rundgang durch die Sammlung. „Wir wollen gemeinsam mit den indianischen Gemeinschaften ein neues Konzept erarbeiten.“ Darin soll auch nicht mehr nur die Vergangenheit ihren Platz finden, sondern auch das Leben der heutigen Indianer. Ein Nachfahre der nordamerikanischen Kwakiutl habe einmal amüsiert zu ihr gesagt: „Was stellt ihr immer nur unsere Vergangenheit aus?“, erzählt König. „Wir leben doch!“
Die Museumsdirektorin ist eine kleine zierliche Frau, die Leggings zum Kleid trägt. An diesem Nachmittag im August schlendert sie mit fünf anderen Wissenschaftlern vom Museum und vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität durch die düsteren Museumsräume. Sie bleiben hier und da stehen, deuten auf dieses und jenes Exponat und diskutieren, wie sie in den nächsten Monaten vorgehen. 438 000 Euro hat das Bundesforschungsministerium für die Entwicklung einer neuen Ausstellung bereitgestellt, drei Jahre lang werden sechs Wissenschaftler an dem Projekt „Eine Geschichte – Zwei Perspektiven“ arbeiten.
(…)
Tagesspiegel, 16.09.2009
Deutsch
English
Francais
