Meißeln für das Berliner Schloss
Steinmetze: Aus dem Stoff der Jahrmillionen entsteht Neues
Ein Steinmetz-Auszubildender gilt heutzutage als seltenes Exemplar. Gingen kurz nach der Wende in Berlin noch 35 Steinmetze in die Lehre, sind es nun weniger als zehn. Der Grund: Die Arbeit für Steinmetze und -bildhauer ist überschaubar. Wenn früher auch verschiedenste Arbeiten von der Gartenskulptur bis zur Balustrade geordert wurden, haben sich viele Steinmetze nun auf Grabsteine und Inschriften spezialisieren müssen. Das Berufsbild geht jedoch darüber hinaus. Er arbeitet auch an Fassaden oder restauriert alte Gemäuer. „Es gibt so viele Schlösser, Herrenhäuser oder Burgen, die erhalten werden sollten. Das wäre unsere Arbeit“, sagt Carlo Wloch, Lehrlingswart der Steinmetz und -bildhauer-Innung Berlin. Solche Schlösser, so Wloch, zeigten die Geschichte dieses Landes, eine Geschichte mit Zukunft. „Wenn wir an solchen Gebäuden arbeiten, erhalten wir das Fachwissen und geben es an den Nachwuchs weiter“, so Wloch.
Dass dieses Wissen noch vorhanden ist, sieht man seit einiger Zeit an den Arbeiten für das Berliner Schloss, das wiederaufgebaut werden soll. Während die Politiker das Für und Wider diskutieren und Spenden für den Bau gesammelt werden, meißeln die Steinmetze schon längst den Sandstein für Treppenn und Fassaden. Es braucht Zeit, bis aus den schnöden Blöcken filigran verschnörkelte Bauteile werden.
Das bekommen auch viele Lehrlinge und Gesellen zu spüren. Sie nämlich fertigen für ihre Gesellen- bzw. Meisterprüfung Fassadenteile für das Berliner Schloss an und spenden es nach bestandener Prüfung für den Aufbau. So war es bereits beim Wiederaufbau der Dresdener Frauenkirche, für die Berliner Lehrlinge und Gesellen rund 200 Stücke lieferten. Sie wollen zeigen, was sie können – damit die Stimmen verstummen, die glauben, ein solches Können gäbe es nicht mehr. „Das Berliner Schloss ist auch für uns eine große Hoffnung“, sagt Carlo Wloch.
Für die Lehrlinge arbeitet die Innung derzeit an einem Umzug der Berufsschule nach Berlin. Bislang müssen die Berliner Lehrlinge nämlich nach Königslutter in Niedersachsen fahren. Das kostet die Betriebe viel Geld für Fahrt und Übernachtung; auch für die Lehrlinge sind die langen Fahrten wenig reizvoll. Wenn die Schule für die Berliner wieder in der Hauptstadt läge, so hofft man, dann interessierten sich auch wieder mehr junge Leute für den Beruf. Die Zahl der Lehrlinge könnte steigen – und vielleicht ginge dann sogar der Aufbau des Stadtschlosses ein wenig schneller.
Berliner Morgenpost, 23.03.2007
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