Marek Janowski eröffnet Reihe von Benefizkonzerten

Marek Janowski eröffnet Reihe von Benefizkonzerten

„Wir haben noch viel vor“, freut sich Wilhelm von Boddien. Sein Förderverein Berliner Schloss hat einen neuen, lautstarken Fürsprecher gewonnen. Das Rundfunk-Sinfonieorchester will sich mindestens zweimal im Jahr für den Wiederaufbau des Schlosses einsetzen. Vor dem ersten Benefizkonzert kündigte von Boddien schon ein großes, sommerliches Open Air mit Beethovens Neunter auf dem Bebelplatz an.

Melancholisch ging es dann für den Rest des Nachmittags im Konzerthaus zu. Das Musikprogramm orientierte sich nicht so sehr an den Schlossplänen als am Totensonntag. Das Orchester überraschte sein Publikum mit neun zarten, stimmungsvollen Orchesterliedern von Jean Sibelius. Man fragt sich, warum sie kaum je aufgeführt werden. Nicht weniger als achtzig Lieder hat der Finne geschrieben, aber selbst in seiner Heimat scheinen sie zu den Raritäten zu gehören.

Die Serenade von Stagnelius, die mit ihren flirrenden Geigen, gezupften tiefen Saiten und unheilvollen Bläsereinwürfen eine ganz eigenwillige Atmosphäre verbreitet, ist in diesem Jahr erstmals überhaupt gedruckt worden. Orchestermaterial gibt es zu der eindringlichen Liebesklage noch immer nicht. Die Musiker des Rundfunk-Sinfonieorchesters spielten aus Kopien des Originalmanuskripts.

Intime und kraftvolle, verhaltene und hochexpressive Stimmungsbilder hat Jean Sibelius gezeichnet. Wagner und Schumann klingen in den orchestrierten Kleinodien an. Lieder im Volkston stehen neben reizvollen chromatischen Passagen wie in Sibelius‘ Lieblingslied „Auf einem Balkon am Meer“.

Der dänische Bariton Bo Skovhus hielt ein überzeugendes Plädoyer für die unterbeleuchtete Seite des Komponisten. Mit seiner großen, eleganten Stimme vertiefte er sich in die märchenhafte, deutschsprachige „Stille Stadt“, das abenteuerliche „Lied von der Kreuzspinne“ und die bitterschwarze Mischung aus Resignation und Verzweiflung in „Komm herbei, Tod“. Die Lieder von Jean Sibelius ernteten an diesem Nachmittag mehr Beifall als die dritte Sinfonie von Johannes Brahms in der breiten, getragenen Interpretation von Marek Janowski.

Das nächste Benefizkonzert, das von Kristjan Järvi dirigiert wird, soll am 27. Mai in der Philharmonie stattfinden.
Berliner Morgenpost, 27.11.2007