Kunstwolke statt Traumschloss
Bevor der Berliner Senat über die Zwischennutzung des Schlossplatzes entscheidet, ist nochmal Schwung in die Diskussion gekommen. Auf Bitten der Zeitschrift Monopol, haben verschiedene Architekten neue Vorschläge für ein „Museum auf Zeit für die Kunst von heute“ entwickelt.
An sich sind all diese Entwürfe nicht mehr als nette Fingerübungen, die schöne bunte Bilder für ein Kunstmagazin abgeben. Doch die Forderung, die kommende Brache in der Mitte Berlins für zeitgenössische Kunst zu nutzen, trifft auf große Medienresonanz, un die Liste der unterstützer aus Kunst- und Kulturbetrieb ist lang.
Die plötzliche Begeisterung für die Idee einer Kunsthalle in der Berliner Mitte ist außerdem der Frustration über die Berliner Museums-Macher zu verdanken, die die zeitgenössische Kunst konsequent verschlafen und gleichzeitig über die Konzeption des Humboldt-Forums , das dereinst hinter den nachgemachten Schlossfassaden seinen Platz finden soll, nur äußerst wolkige Vorstellungen äußern. Wilhelm v. Boddien, Geschäftsführer des Förderverein Berliner Schloss, ist der Ansicht, dass auf diesem Platz unbedingt über das Humboldt-Forum informiert werden müsse.
Darüber hinaus schafft Zwischennutzung Tatsachen. Und deshalb könnte eine Kunstwolke, die auf dem Schlossplatz zwischenlandet, die Zuklunft des Platzes entscheidender verändern, als man denkt.
Frankfurter Rundschau, 16.08.2006
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