Kunsthalle, Labyrinth oder Rasen?
Eigentlich schien alles klar zu sein: Der Schlossplatz in Berlins Mitte sollte nach dem Abriss des Palastes der Republik bis zum Baubeginn des Stadtschlosses begrünt werden. So hatte es der Bundestag beschlossen. Es war auch schon klar, wie der Platz in der Übergangszeit gestaltet werden sollte. Nach einem preisgekrönten Entwurf sollte auf dem Areal eine Rasenfläche mit Holzstegen entstehen.
Doch nun ist fraglich, ob es dazu kommt. Grund dafür sind Äußerungen von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der vor kurzem verkündet hat, dass der Bau des Stadtschlosses (offizielle Bezeichnung: Humboldt-Forum) bereits im Jahr 2010 beginnen soll. Da sich der Abriss des Palastes der Republik nach bisheriger Planung bis zum Jahr 2008 hinzieht, stellt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Finanzierung der 2,1 Millionen Euro teuren Grünfläche nun in Frage. „Für so einen kurzen Zeitraum werden wir keine Grünfläche anlegen“, sagte die Sprecherin der Behörde, Petra Rohland.
Deswegen leben nun Ideen für eine andere Nutzung auf. Zum Beispiel der Vorschlag der Kunstzeitschrift Monopol, zeitlich befristet eine Kunsthalle auf dem Schlossplatz zu errichten. Unterstützt wird die Idee von dem Vorsitzenden des Vereins der Freunde der Nationalgalerie, Peter Raue. Auch ein Entwurf von der Halle liegt bereits vor: nach Plänen des Architekturbüros Graft könnte die Halle aus preiswerten Leichtbaustoffen in Form einer Wolke entstehen. Bis zu drei Millionen Euro würde das Projekt kosten. Nachdem Kulturstaatssekretär André Schmitz bereits Sympathie für das Kunsthallenprojekt geäußert hat, gibt es jetzt noch einen weiteren Befürworter: Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). „Ich finde die Idee einer zeitweiligen Kunsthalle sympathisch“, sagte Thierse am Freitag der Berliner Zeitung. Allerdings unter einer Bedingung: „Wenn sie privat finanziert wird.“ Dass der Bundestag beschlossen hat, den Schlossplatz für die Übergangszeit bis zum Baubeginn des Humboldt-Forums zu begrünen, spricht aus Thierses Sicht nicht gegen die Kunsthalle. Bei der Entscheidung über die Gestaltung des Schlossplatzes sei die provisorische Begrünung nur „sekundär“ gewesen, sagte er. Wichtig sei dem Parlament die Entscheidung für das Humboldt-Forum gewesen. Er würde deswegen „nicht vermuten“, dass sich gegen eine Kunsthalle „Protest im Bundestag erhebt“, sagte Thierse. Steuergelder sollten aber nicht in die provisorische Nutzung des Platzes, sondern gleich in den Bau des Humboldt-Forums fließen.
An der Frage der Finanzierung könnte das Kunsthallen-Projekt möglicherweise scheitern. Denn die Unterstützer fordern vom Land Berlin Zuschüsse von 750 000 Euro. Das Land Berlin will jedoch kein Geld geben, wie Senatssprecher Michael Donnermeyer gestern bekräftigte. Donnermeyer sagte, das Projekt müsse privat finanziert werden.
Sollte das nicht gelingen, könnte womöglich ein ganz anderes Vorhaben eine Chance bekommen: die Idee der Kulturmanagerin Tina Zickler für ein Garten-Labyrinth mit einem Wasserbecken. Rund vier Millionen Euro soll das Labyrinth kosten, das mit einer Wegstrecke von 1,5 Kilometern Länge das größte begehbare Garten-Labyrinth weltweit sein würde. Tina Zickler sagte der Berliner Zeitung, sie wolle ihr Vorhaben privat finanzieren. Zurzeit befinde sie sich noch in Gesprächen mit einer Stiftung.
Zickler und ihre Mitstreiter hatten bei der ersten Vorstellung ihres Projekts im vergangenen Jahr viel Sympathie geerntet. Beim Wettbewerb zur provisorischen Begrünung es Schlossplatzes durften sie sich aber nicht beteiligen.
Das Konzept für das Garten-Labyrinth ist vom 23. Februar bis zum 30. März in einer Ausstellung im Wahlkreisbüro der SPD-Bundestagsabgeordneten Petra Merkel, Goethestraße 80 in Charlottenburg, zu sehen. Mo u. Di 11-15 Uhr, Mi 14-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr.
Berliner Zeitung, 17.02.2007
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