Kunsthalle auf dem Blumengroßmarkt

Kunsthalle auf dem Blumengroßmarkt

Die Berliner Kulturpolitik hat die Bildende Kunst für sich entdeckt. Nachdem zuletzt der Tanz in den Genuss einer Schwerpunktförderung gekommen war, rücken jetzt Maler und Bildhauer in den Mittelpunkt. Dazu wesentlich beigetragen hat die Debatte um die temporäre Kunsthalle auf dem Schlossplatz. Dort konkurrieren zwei verschiedene Modelle, die eines gemein haben: Sie sollen den Steuerzahler kein Geld kosten. Auch deshalb stieß die Idee einer Zwischennutzung nach dem Abriss des Palastes der Republik und vor dem Baubeginn für das Humboldt-Forum auf fruchtbaren Boden. Gerätselt wird seit Wochen, ob Berlins oberster Kulturpolitiker, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), eher zur „Wolke“ neigt oder zum „White Cube“, dem Alternativentwurf. Wowereit verhält sich politisch: Er legt sich weder auf den einen noch den anderen Entwurf fest, betont statt dessen, dass erst beide Konzepte vorliegen und dann geprüft werden müssten.

Im Windschatten der Diskussion um die temporäre Kunsthalle segelt das Projekt kommunale Kunsthalle. So etwas gab es in Berlin bis 1993 an der Budapester Straße. Die Einrichtung wurde aber dann aus Kostengründen geschlossen.

Anders als bei der temporären Kunsthalle, die nach den bisherigen Planungen 2008 und 2009 auf dem Schlossplatz stehen könnte, müsste der Senat für eine reguläre Kunsthalle Geld investieren. Dazu ist grundsätzlich die Bereitschaft da, wobei Kulturstaatssekretär André Schmitz insgeheim darauf hofft, dass sich die Investoren für die temporäre Kunsthalle auch finanziell am Nachfolgeprojekt beteiligen.

Umstritten ist allerdings der Standort. Drei Varianten wurden schon genannt: Das ehemalige Postfuhramt in Mitte, das Areal neben dem Hamburger Bahnhof und die Freifläche neben dem Tacheles. Als vierte Variante bringt Alice Ströver, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, den Blumengroßmarkt in Kreuzberg ins Gespräch. Aus ihrer Sicht ein idealer Standort, nicht nur, weil eine Kunsthalle dort vergleichsweise günstig zu realisieren wäre. Denn das Gebäude gehört bereits dem Land – und es steht bald leer, weil der Blumengroßmarkt 2009 an die Beusselstraße zieht.

Die Halle aus den sechziger Jahren sei baulich in einem guten Zustand. Sie „bietet 6000 Quadratmeter Fläche, der Abstand zwischen den Pfeilern beträgt rund 30 Meter bei einer Höhe von 12 Metern und hat Nordlicht, also keine direkte Sonneneinstrahlung, was für Ausstellungsräume wichtig ist“, betont Frau Ströver. Die Halle könne direkt nach dem Ende der temporären Kunsthalle genutzt und peu à peu ausgebaut werden. Zusätzlich böte das Areal Platz für Ateliers oder Galerien, von denen sich einige schon jetzt zwischen Friedrich- und Zimmerstraße angesiedelt haben. Außerdem schwebt der Kulturpolitikerin ein „Kunstpark“ vor der Halle zwischen Friedrich- und Markgrafenstraße vor. In dieser Grünanlage könnten Skulpturen präsentieren werden.

Von einer Kunsthalle an diesem Standort profitieren könnte auch die Berlinische Galerie, die momentan hinter dem Jüdischen Museum besuchermäßig eher ein Schattendasein fristet.
Berliner Morgenpost, 28.06.2007