Kulturpolitiker warnen vor Beton-Schloss in Berlins Mitte
Die Angst vor einem Beton-Schloss mitten in Berlin bewegt offenbar nicht nur Berliner Politiker. Auch Abgeordnete des Bundestags forderten am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Berlin, die Barockfassade nicht vom Erfolg der Spendenaktion des Schlossvereins abhängig zu machen.
„Wenn Minister Ramsauer jetzt sagt, da machen wir erst mal Beton, vielleicht fließen dann mehr Gelder für die Fassadenteile – das fände ich blamabel“, sagte Ramsauers Fraktionskollegin, Kulturausschuss-Chefin Monika Grütters (CDU). Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs nannte den Wiederaufbau des 1950 von der DDR gesprengten Schlosses eine nationale Aufgabe, für die der Bund auch finanziell in der Pflicht stehe. „Die Fassade muss da hin, so historisch wie man sie hinbekommt“, sagte der SPD-Politiker. „Ob das nun mit oder ohne den Bauminister ist – am Ende entscheidet das Parlament.“ Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) hatte sich, wie berichtet, dafür ausgesprochen, historische Teile des auf insgesamt 550 Millionen Euro veranschlagten Gebäudes möglicherweise erst später zu bauen. „Diese kleinliche Bedenkenträgerei muss aufhören, sonst werden wir es nicht schaffen“, warnte der FDP-Abgeordnete Hans-Joachim Otto.
(…)
Der Wiederaufbau wird im kommenden Jahr beginnen. Bislang sind rund 20 Millionen Euro im Spendentopf.
„Die Diskussion um die Beton-Fassade ist überflüssig“, sagte deshalb gestern Stiftungssprecher Bernhard Stokar von Neuforn. Die Gefahr einer Beton-Fassade habe auch aus rein technischen Gründen nie bestanden. „Natürlich baut man heute mit Beton“, sagte der Stiftungssprecher. Jedoch werde vor die Betonschale ein verputztes Mauerwerk gesetzt. „Mauerwerk und Putz sind in den bewilligten Baukosten bereits enthalten“, so von Neuforn. „Die 80 Millionen dienen deshalb lediglich für die Schmuckelemente aus Sandstein.“ Auch die Kuppel sei in der schmucklosen Form des Humboldt-Forums bereits gesichert.
Berliner Morgenpost, 22.05.2010
Deutsch
English
Francais
