Kollhoff attackiert Schloss-Architekten Stella

Kollhoff attackiert Schloss-Architekten Stella

Wie berichtet, hat der Berliner Architekt Hans Kollhoff dem Auslober des Wettbewerbs eine Rüge erteilt, um damit eine Überprüfung der Angaben Stellas zur Bürogröße zu veranlassen. Beim verantwortlichen Bundesbauministerium sieht man für eine Überprüfung jedoch auch weiterhin keinen Anlass, wie eine Sprecherin gestern mitteilte.

„Wenn der Schaden nicht noch größer werden soll, muss das Ministerium jetzt die Fakten auf den Tisch legen“, sagt dagegen Jan Kleihues, der genau wie Kollhoff beim Schlosswettbewerb einen der vier dritten Preise erhielt. Das Preisgericht hatte keinen zweiten Preis vergeben, um deutlich zu machen, wie hervorragend der Beitrag von Franco Stella ist. Kollhoff selbst nahm gestern ebenfalls zu seiner Rüge Stellung: „Zunächst verfolgt unsere Rüge die Überprüfung der Teilnahmeberechtigung des Wettbewerbsiegers“, erklärt Kollhoff seine Absichten. Verschiedene Zeitschriften hatten berichtet, Stellas Architekturbüro habe in den Jahren 2004 bis 2006 keine drei fest angestellten Architekten beschäftigt, wie in der Ausschreibung verlangt, sondern lediglich einen. Stella hat den Vorwürfen widersprochen und erklärt, seine Selbstauskunft entspreche der Wahrheit.

Doch Kollhoff will sich damit nicht zufrieden geben. Es sei ein Gebot der Fairness gegenüber allen Wettbewerbsteilnehmern, die Angaben zu überprüfen, so der Architekt weiter.

Anders als offenbar das Bundesbauministerium sieht der Justiziar der Bundesarchitektenkammer in der Rüge eine eindeutige „Aufforderung an den Auslober, zu überprüfen, ob alle Angaben korrekt waren“, so Thomas Maibaum. Sollten sich die Vorwürfen bestätigen, sei jedoch die Frage, welche Konsequenzen daraus zu ziehen wären. „Sicherlich lässt sich damit nicht die Rückabwicklung des Architektenvertrages erzwingen“, so der Jurist. Der Vertrag war erst im vergangenen Monat unterschrieben worden. „Jedoch können sie der Vorbereitung einer Schadenersatzklage dienen.“ Dabei würde sich der Streitwert nicht auf das eine halbe Milliarde Euro teure Bauprojekt beziehen, sondern lediglich auf die Kosten für den Teilnahmeaufwand“, so Maibaum. An dem Schlosswettbewerb im vergangenen Jahr hatten sich insgesamt 85 Architekturbüros beteiligt. 30 von ihnen waren in die engere Wahl gekommen und hatten für die Weiterbearbeitung ihrer Entwürfe jeweils 20 000 Euro bekommen. Nach Ansicht von Fachleuten liegen die tatsächlichen Kosten jedoch zwischen 100 000 und 150 000 Euro. Theoretisch könnten diese 30 Wettbewerber klagen, wenn sich der Vorwurf der unberechtigten Teilnahme Stellas als wahr erweisen sollte.

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Berliner Morgenpost, 08.07.2009