„Kein Umzug der Gemäldegalerie“

„Kein Umzug der Gemäldegalerie“

Berlins neuer Museums-General vollzieht den Kurswechsel. Michael Eissenhauer (52) lehnt durchreisende Glamour-Events, wie sie sein Jet Set-affiner Vorgänger Klaus Peter Schuster liebte, radikal ab. Eissenhauer setzt auf die Pracht der Berliner Sammlungen. Seine größte Herausforderung ist jedoch die Planung des Humboldt-Forums im künftigen Stadtschloss.

Kann man nach den Täuschungs-Vorwürfen gegen den Schloss-Architekten Franco Stella einfach so weiterplanen? Motto „Augen zu und durch“?

Schloss-Regie führt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Es sagt, das Verfahren sei rechtmäßig. Da wir nicht Herr das Verfahrens sind, glauben wir das, sind erfreut und sagen „Super!“. Denn wir wollen auf keinen Fall das Verfahren aufhalten.

Ihr Anspruch ans Humboldt-Forum ist extrem groß. Es soll die ganze Welt in einem Werk darstellen, zitieren Sie Humboldt. Ist damit Ihre Fallhöhe nicht zu hoch?

Wir hatten nie den Anspruch formuliert, die Weisheit zu haben und die Wahrheit zu kennen. Diese erste Ausstellung ist eine Laborbühne. Im Dialog mit der Öffentlichkeit erfahren wir jetzt, was korrigiert und präzisiert werden muss.

Erhält das Forum einen eigenen Etat?

Sicher braucht es eine eigene Regie, einen eigenen Etat und ein eigenes Programm für die Agora. Aber soweit planen wir noch nicht.

Braucht das Forum nicht auch einen Intendanten?

Glaub’ ich nicht. Wenn eine Person das hauptberuflich macht, wird es ja nicht besser, als wenn sich eine Handvoll Leute in einer Programmkommission darum kümmert.

Als Ansprechpartner für die verschiedenen Institutionen im Forum wäre er vielleicht nicht schlecht…

Sie meinen einen zweiten Generaldirektor? Den Generaldirektor gibt es.

Nein, nein, ich meine keinen zweiten General, sondern einen einfachen Direktor.

Wir brauchen keinen Oberaufpasser oder Guru, der uns sagt, wie wir was zu tun haben. Das birgt eher Konfliktpotenzial. Wir haben oft und lang genug bewiesen, dass wir mit Objekten und Themen umgehen können. Das ist unser Hauptberuf. Dafür werden wir bezahlt.

Will sich Thomas Flierl für den Job ins Gespräch bringen?

Weiß ich nicht. Das wollen viele.

(…)

BZ, 16.08.2009