Kein Platz auf dem Schlossplatz

Kein Platz auf dem Schlossplatz

In einer Info-Box sollte über das Humboldt-Forum informiert werden. Doch die Baustelle ist zu groß.

Ulrich Paul

Die auf dem Schlossplatz vorgesehene Info-Box, die über den Wiederaufbau des Schlosses (Humboldt-Forum) informieren soll, kann jetzt doch nicht errichtet werden, weil der Platz nicht ausreicht. Das sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gestern bei einer gemeinsamen Sitzung der Parlamentsausschüsse für Kultur und Stadtentwicklung.

Lüscher erklärte den Abgeordneten, dass die Baustelleneinrichtungen für den Wiederaufbau des Schlosses sowie die Verlängerung der U-Bahn vom Alexanderplatz zum Pariser Platz „leider keinen Raum“ mehr für die Info-Box lassen. Jetzt werde geprüft, ob das Kronprinzenpalais Unter den Linden als Informationsstelle über das geplante Bauprojekt dienen könne. Das Kronprinzenpalais liegt gut 100 Meter vom Schlossplatz entfernt. Zugleich soll ein Ort gefunden werden, an dem der Förderverein Berliner Schloss seine Schauwerkstatt zur Rekonstruktion der Fassaden einrichten kann. Der Verein will, wie berichtet, insgesamt 80 Millionen Euro für die Rekonstruktion der Barockfassaden des Schlosses aus Spenden aufbringen. Als zentrale Sammelstelle sollte dabei die Info-Box auf dem Schlossplatz dienen.

Wall wollte Gebäude bauen

Der Berliner Unternehmer Hans Wall war bereit, die Kosten für den Bau der Info-Box zu übernehmen. Im Gegenzug dafür wollte er die Flächen an der Box und am Bauzaun für Werbung vermarkten. Bereits im September vergangenen Jahres stellte Wall sein Projekt bei der Senatsbaudirektorin vor. Ohne Erfolg. Im April dieses Jahres teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung mit, dass der Auftrag nicht direkt vergeben werden könne. Deswegen könne das Wall-Angebot nicht angenommen werden. Gestern kam nun das komplette Aus für die Idee am Schlossplatz. Pikant: Für die provisorische Kunsthalle White Cube auf dem Schlossplatz ist eine Fläche frei. Sie wurde bereits genehmigt. Grünen-Fraktionschefin Franziska Eichstädt-Bohlig kritisiert die Entscheidung des Senats. „Besser wäre es gewesen, den White Cube am Hauptbahnhof zu errichten“, sagte sie. Der Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss, Wilhelm von Boddien, äußerte sich gestern skeptisch. Er finde zwar den angebotenen Alternativ-Standort im Kronprinzenpalais gut, doch fehle ihm noch der Glaube, dass das Gebäude wirklich zu nutzen ist.

Für den Förderverein ist die Verbannung der Info-Box vom Schlossplatz nicht die einzige Hiobsbotschaft in diesen Tagen. Das Bundesbauministerium bestätigte gegenüber der Berliner Zeitung, dass Wilhelm von Boddien beim Wettbewerb zum Wiederaufbau des Schlosses nicht von Anfang an die Beratungen des Preisgerichts als Sachverständiger verfolgen darf. „Sachverständige werden aufgrund der gebotenen Vertraulichkeit der Beratungen des Preisgerichts nur zu dem für sie relevanten Teil der Sachfragen beziehungsweise Phasen der Beratungen hinzugezogen“, so das Ministerium. Von Boddien sei erst ab der zweiten Runde als Sachverständiger eingeplant. Denn eine „vertiefende Betrachtung zum Umgang mit den Vorgaben zu den historischen Fassaden“ finde erst in der zweiten Phase statt, erklärte das Ministerium. Von Boddien wollte sich dazu nicht äußern.

Die Wettbewerbsjury tagt erstmals am 12./13. Juni. Von den 85 Teilnehmern werden dann 30 bis 40 für die zweite Runde ausgewählt. Der Sieger wird in der Sitzung am 27./28. November gekürt.

Berliner Zeitung, 03.06.2008