KarlLiebknechtStraße bleibt offen

Karl-Liebknecht-Straße bleibt offen

Keine verkehrsfreie Zone am Schloss / Rathausbrücke wird abgerissen

Peter Neumann

Ende Mai will der Senat sein Verkehrskonzept für das geplante Humboldt-Forum in Mitte präsentieren. So viel steht jetzt schon fest: Einen Tunnel, wie ihn der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) für dieses Gebiet vorgeschlagen hat, wird es definitiv nicht geben – und die Karl-Liebknecht-Straße bleibt für Autos geöffnet. Das sagte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gestern im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. „Die Karl-Liebknecht-Straße wird weiterhin eine befahrene Straße sein“, so Lüscher. Eine vollständige Sperrung sei nicht vorgesehen.

Das ADAC-Konzept hatte im Januar für Diskussionen gesorgt. Danach soll ein Tunnel im Verlauf der Karl-Liebknecht-Straße und der Straße Unter den Linden den Durchgangsverkehr durch diesen Teil von Mitte schleusen. Dann könnte der Bereich zwischen dem Schloss und dem Lustgarten autofrei werden. Oberirdisch sollte der Ost-West-Verkehr über die Rathausbrücke und die Schlossfreiheit geleitet werden, so der ADAC weiter.

„Wir glauben nicht, dass der Verkehr über die Schlossfreiheit abgewickelt werden kann“, entgegnete Lüscher gestern. „Dann würde das Humboldt-Forum nicht funktionieren.“ Denn an der Schlossfreiheit werde sich der Haupteingang des Gebäudes befinden. Dort sei also mit vielen Fußgängern zu rechnen.

Auch im Ausschuss fand das Konzept keine Unterstützung. „Wir lehnen den Tunnel ab und fragen uns, wie man als qualifizierter Verband einen solchen Vorschlag machen kann“, sagte Rainer Ueckert (CDU). Alle Fraktionen sprachen sich dafür aus, die Karl-Liebknecht-Straße vor dem Schloss für Autos offen zu halten. Diese Straße sei Teil einer Verkehrsachse, die zur Umfahrung des Alexanderplatzes ausgebaut worden ist, erklärte Thomas Flierl (Linke). Würde sie unterbrochen, müssten andere Ost-West-Strecken wie die Leipziger Straße zusätzlichen Verkehr verkraften.

Der Ausschuss war sich allerdings auch darin einig, dass der Verkehr auf der Karl-Liebknecht-Straße verringert werden soll. Der Bereich vor dem Humboldt-Forum müsse „weitgehend vom Durchgangsverkehr befreit werden“, forderte Albert Weingartner von der FDP. „Die Trennwirkung, die diese Straße hat, muss reduziert werden“, verlangte Christian Gaebler (SPD). Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer sollten dort gleichberechtigt sein, sagte Claudia Hämmerling von den Grünen – in der Schweiz hieße das „Begegnungszone“, anderswo „Shared Space“. Jutta Matuschek von der Linken bezeichnete diese Idee allerdings als „Quatsch“: „Dann wäre dieser Verkehrsraum lahmgelegt.“

Zum Verkehrskonzept wird auch die Rathausbrücke gehören. Bei deren Neubau drückt der Senat aufs Tempo. Die Aufträge seien Anfang dieses Monats vergeben worden, im Mai beginne der Abriss der alten Brücke, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer im Ausschuss. „Wir wollen so zügig wie möglich bauen“, so die SPD-Politikerin. Anfang 2011 soll die neue Rathausbrücke fertig sein. Für den Schiffsverkehr werde die Spree maximal drei Wochen lang gesperrt.

Weil die Brücke nach einem modernen Entwurf von Walter Noebel aus dem Jahre 1998 gebaut werden soll, laufen Bürgervereine Sturm gegen die Planung. Auch die CDU ist für das historische Vorbild – und fühlte sich durch die Ankündigung der Senatorin überrumpelt. „Es ist eine massive Fehlentscheidung, die Aufträge jetzt schon zu vergeben“, sagte Rainer Ueckert. Hätte sich der Senat etwas mehr Zeit gelassen, wäre noch ein Kompromiss möglich gewesen. Doch der Pfeiler, den die Bürger und die CDU fordern, würde den Schiffsverkehr behindern, entgegnete Lüscher. Auch für das Standbild des Großen Kurfürsten, der einst auf der Rathausbrücke befand, sei kein Platz. Das Bauwerk werde so gebaut, wie es geplant sei.

Berliner Zeitung, 30.03.2009