Jetzt meldet sich der Wettbewerbssieger

Jetzt meldet sich der Wettbewerbssieger

Von Isabell Jürgens

Franco Stella hat im November den Wettbewerb zum Bau des Stadtschlosses gewonnen. Der Italiener will auch mit anderen Architekten zusammenarbeiten. Bauexperten befürchten deshalb, dass er überfordert sei. Nun meldet sich der Wettbewerbssieger bei Morgenpost Online. Und er stellt klar: Das Schloss baue ich.

Der Italiener Franco Stella, der im November den Wettbewerb zum Bau des Humboldt-Forums auf dem Schloßplatz in Mitte gewonnen hatte, hat sich jetzt erstmals in der Diskussion über die Weitergabe von wesentlichen Planungsleistungen an zwei namhafte deutsche Architekturbüros persönlich zu Wort gemeldet. „Im Rahmen der Vereinbarungen ist sichergestellt, dass die Beauftragung nur an den Architekten Franco Stella geht und dass die Federführung und Verantwortung der Beauftragung ausschließlich bei mir liegt“, versichert der Italiener in einem Schreiben an Morgenpost Online.

Der Professor aus Vicenza war vergangene Woche in die Kritik geraten, als durchsickerte, dass er die Büros Hilmer & Sattler und Albrecht (HSA) sowie Gerkan, Marg und Partner (gmp) mit der Entwurfs- und Detailplanung sowie Bauleitung und Kostenberechnung beauftragt haben soll. Die beiden Büros hatten sich ebenfalls am Wettbewerb zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses beteiligt, waren aber bereits in der ersten Runde (gmp) beziehungsweise der zweiten (HSA) ausgeschieden. Bauexperten befürchteten deshalb, dass Stella, der in seinem Heimatort Vicenza lediglich ein kleines Büro mit einem halben Dutzend Angestellten unterhält, überfordert sei. Sowohl im Hause von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) als auch von der Berliner Architektenkammer waren diese Vorwürfe zurückgewiesen worden: Dass sich ein kleines Büro bei der Abwicklung von Großaufträgen Unterstützung von anderen Architekten hole, sei ein üblicher Vorgang, hieß es.
Stella bestätigt Zusammenarbeit
Erstmals bestätigt Stella gegenüber Morgenpost Online nun auch die Gerüchte, dass er „mit den Architekturbüros HSA und gmp Gespräche geführt und Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit“ beim Bau des Stadtschlosses getroffen habe. Dem Bauherrn, vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) seien diese Vorgänge bekannt gewesen. „Es besteht bei der Vereinbarung volles Einvernehmen mit dem Bauherrn und den Nutzern“, versichert Stella.
Der Bau des Humboldt-Forums, das an drei Außenfassaden als Rekonstruktion des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses entstehen soll, gilt als das wichtigste deutsche Kulturbauvorhaben seit der Wiedervereinigung. Der Bundestag hatte für den Bau eine Kostenobergrenze von 552 Millionen Euro festgelegt. Das Bundesbauministerium hatte Stella deshalb aufgefordert, seinen Wettbewerbsentwurf so zu überarbeiten, dass diese Summe auch eingehalten werden kann. Nach Berechnungen des Architekten- und Ingenieurvereins (AIV) zu Berlin ist das von Stella geplante Schloss nicht für unter 717 Millionen Euro zu haben – rund 165 Millionen Euro teuer als kalkuliert.

Berliner Morgenpost, 15.02.2009