„Jetzt fehlt nur noch der Hauptdarsteller“

„Jetzt fehlt nur noch der Hauptdarsteller“

Mit dem für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses ist der Architekt Franco Stella beauftragt worden. Isabell Jürgens sprach mit Stella über Folgen des verschobenen Bauvorhabens für Berlin.

Berliner Morgenpost: Herr Stella, die Bundesregierung hat den Baubeginn des Humboldt-Forums aus Kostengründen auf 2014 verschoben. Haben Sie dafür Verständnis?

Franco Stella: Ich bedauere natürlich die Entscheidung. So wie ich es verstehe, hat sie allerdings im Zusammenhang mit den heutigen Sparzwängen wohl mehr eine symbolhafte Bedeutung als eine effektive Auswirkung auf den Bundeshaushalt. Kein anderes Bauprojekt hätte wohl wirkungsvoller darstellen können, wie ernst es der Regierung mit dem Sparen ist.

Berliner Morgenpost: Werden Sie Ihre Planungsgruppe jetzt auflösen?

Franco Stella: Was die Entscheidung der Bundesregierung konkret für die Arbeit der Planungsgruppe aus rund 50 Architekten und Ingenieuren bedeutet, kann ich noch nicht sagen. Das muss mit dem Bauherren geklärt werden. Ich denke mal, dass man auch im Bauministerium jetzt erst einmal überlegen wird, wie es weitergehen soll. Das alles wird einige Zeit dauern.

(…)

Berliner Morgenpost: Ist das vor 60 Jahren gesprengte Schloss nicht längst in Vergessenheit geraten?

Franco Stella: Die Wichtigkeit des Berliner Schlosses geht für die Identität der Stadt und der Architektur der Mitte weit über die 60 Jahre seiner Abwesenheit hinaus. Zum Beispiel wurde der größte Teil des Kölner Doms fast vier Jahrhunderte später ausgeführt, und der Residenzpalast von Vilnius in Litauen wurde jetzt gut 200 Jahre nach seiner Zerstörung wieder aufgebaut. In der Mitte Berlins bestehen immer noch die Orte und die Gebäude, die sich auf das Stadtschloss bezogen. Jetzt fehlt eben nur noch der Hauptdarsteller.

Berliner Morgenpost, 09.06.2010