Humboldt-Forum soll bereits 2013 öffnen
Bund legt konkreten Zeitplan für Bebauung des Schloßplatzes vor. Senat kündigt Verzicht auf Park als Zwischennutzung an.
In der Debatte um die Nutzung des Schloßplatz-Areals nach Abriss des Palastes der Republik hat das Bundesbauministerium jetzt erstmals einen konkreten Zeitplan vorgelegt. Er umreißt, wie das bereits 2002 vom Bundestag beschlossene Humboldt-Forum mit Teilen der Fassade des 1950 gesprengten Schlosses errichtet werden kann. Danach soll im Herbst dieses Jahres der internationale Architektenwettbewerb zum Bau des Forums gestartet werden. „Die notwendigen Mittel stehen jetzt zur Verfügung, die Vorbereitungen zu diesem Verfahren laufen“, gab Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) gestern bekannt.
Nach Abschluss des Wettbewerbs soll 2008 mit der konkreten Entwurfs- und Ausführungsplanung begonnen werden. Baubeginn könnte laut Ministerium 2010 sein. Die ersten Besucher werden im Humboldt-Forum für 2013 erwartet. Ihnen sollen dann
„herausragende museale Sammlungen“ der Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz präsentiert werden, die derzeit noch in stark sanierungsbedürftigen Gebäuden in Dahlem beheimatet sind.
Selbst im Bauministerium spricht man von einem „sehr ehrgeizigen Zeitplan“, der von der Parlamentarischen Staatssekretärin Karin Roth am Mittwoch dem zuständigen Bundestagsausschuss vorgestellt wurde. Ließe sich der Zeitplan einhalten, könnte jedoch auf die teure und zudem überaus umstrittene Zwischennutzung des Schloßplatzareals verzichtet werden. Nach einem vom Senat ausgelobten Gestaltungswettbewerb sollte für etwa eine Million Euro eine terrassenförmige Rasenlandschaft angelegt werden, die von Holzbohlen durchzogen wird.
„Wenn die Zeit zwischen Ende des Palast-Abrisses und dem Beginn des Aufbaus des Humboldt-Forums weniger als zwei Jahre beträgt, macht eine Zwischennutzung keinen Sinn, dann werden wir darauf verzichten“, kündigte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung gestern an.
Endgültig verabschiedet hat sich das Bundesbauministeriums wohl von der Idee, das Humboldt-Forum gemeinsam mit privaten Investoren errichten zu wollen. Auf das 2005 noch geplante Hotel wird nun ebenso verzichtet wie auf eine Tiefgarage mit Hunderten von Stellplätzen. Untersuchungen hätten ergeben, dass den Synergieeffekten aus der Beteiligung privater Investoren an Nutzung, Finanzierung und Betrieb „nicht zu vernachlässigende wirtschaftliche Risiken für den öffentlichen Bauherrn gegenüberstehen“.
Auch sonst wird das Projekt Humboldt-Forum deutlich abgespeckt. So soll auf ein teures zweites Untergeschoss verzichtetet werden, auch die aufwendige Überdachung des wiederhergestellten Schlüterhofes steht inzwischen nicht mehr in der Planung. Nicht verzichten will man indes auch in der abgespeckten Variante auf die repräsentative Kuppel über dem Hauptportal. Auch die Rekonstruktion des Volkskammersaals aus dem Palast der Republik, in dem zuletzt das erste frei gewählte Parlament der DDR tagte, soll „weiterhin optional möglich“ bleiben.
Insgesamt sollen sich so die Kosten für das Humboldt-Forum von 670 Millionen auf 480 Millionen Euro verringern. 80 Millionen Euro davon sollen aber weiterhin über private Initiativen wie dem Förderverein Berliner Schloss aufgebracht werden.
Offenbar um sich nicht vom Eingang privater Mittel abhängig zu machen, heißt es aber auch, dass „ein Teil der erwarteten Spenden gegebenenfalls vorfinanziert werden könnten“.
„Endlich kommt Schwung in die Realisierung des Projektes“, freut sich der Berliner Bundestagsabgeordnete Ingo Schmitt (CDU) über die aktuelle Entwicklung. Er fordert den Senat auf, nun endlich seinen Teil zur Planung beizutragen. So sei bisher immer noch unklar, ob und wie die Zentral- und Landesbibliothek oder die wissenschaftshistorische Sammlung der Humboldt-Bibliothek in das Humboldt-Forum integriert werden können. Dies müsse dann auch finanziell abgesichert werden.
Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte zwar die aktuelle Planung des Bundes. Zur konkreten Beteiligung Berlins sagte er jedoch lediglich, dass er hoffe, demnächst gemeinsam mit dem Bund ein Konzept präsentieren zu können.
Berliner Morgenpost, 09.03.2007
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