Humboldt-Forum: Freigabe der Haushaltsmittel gilt als sicher
Der Ausschuss für Haushalt des Bundestages wird am 7. November aller Voraussicht nach die ersten Mittel für die Realisierung des Humboldt-Forums, den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, freigeben. Davon gehen nicht nur die Koalitionsfraktionen, sondern auch die Opposition aus.
Geplant sind zunächst 108 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre. „Das ist ein deutlicher Schritt nach vorn“, sagt der grüne Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wieland. Noch Mitte September hatte der Haushaltsausschuss an der Kostenkalkulation von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) Zweifel angemeldet und Konkretisierungen gefordert. So war unter anderem strittig, ob die von Spendensammler Wilhelm von Boddien angekündigten 80 Millionen Euro für die drei Barockfassaden, die in Tiefensees Kalkulation von 480 Millionen Euro enthalten sind, gesichert sind.
Mittlerweile gelten diese Zweifel als reine Routine-Nachfragen des Haushaltsausschusses und der Finanzierung steht offenbar nichts mehr im Weg. Das bestätigte auch der grüne Bundestagsabgeordnete Wieland auf einer Podiumsdiskussion am Montagabend mit Wilhelm von Boddien und der Architektin und Kritikerin der Schloss-Rekonstruktion Theresa Keilhacker vom Architekten-Netzwerk plattformnachwuchsarchitekten.de. Es sei völlig klar, so Wieland, dass der Bund einspringe, wenn der Förderverein Berliner Schloss und mit ihm Wilhelm von Boddien die 80 Millionen Euro nicht zusammenkriegen würde. Die Spendensammlung sei schließlich keine Bedingung für den Bau. Der Bundestag werde nicht auf die Fassaden verzichten, sollten die Spenden nicht zusammenkommen.
Eingeladen zur Diskussion hatte die Publizistin Lea Rosh zum Thema „Was steckt hinter der Fassade? Was kommt ins Humboldt-Forum?“.
Eine Frage, die heute auch den Kulturausschuss des Bundestags beschäftigt, nachdem eine erste Version des Auslobungstextes für den internationalen Architektenwettbewerb für Irritationen sorgte. Es bestehe die Gefahr, dass der Beschluss des Bundestages von 2002 zum Wiederaufbau des Schlosses, wonach die drei barocken Fassaden und der Schlüterhof ein Muss sind, verwässert wird, kritisiert der Kulturausschussvorsitzende Hans-Joachim Otto (FDP). So würde in der Ausschreibung die historische Rekonstruktion der Innenräume ausgeschlossen und die Teilkonstruktion des Volkskammersaals angeführt. Der Staatssekretär im Bauministerium Engelbert Lütke Daldrup wird heute dazu im Kulturausschuss Stellung nehmen.
Wettbewerb startet am 13. November
Aus dem Bundesbauministerium wurden gestern die Befürchtungen des Kulturausschusses zurückgewiesen. Der Bundestagsbeschluss werde eins zu eins umgesetzt. Der Auslobungstext für den Wettbewerb sei im Übrigen noch in der Abstimmung, hieß es gestern aus dem Ministerium. So könnten auch die Wünsche von Wilhelm von Boddien noch eingebracht werden. Dieser fordert, dass bei den Planungen der modernen Museumsräume die Option erhalten bleibt, die Innenräume nach historischen Vorbild zu rekonstruieren Die erste Phase des internationalen offenen Wettbewerbs soll am 13. November starten.
Berliner Morgenpost, 23.10.2007
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