Hommage an die Kunststadt Berlin

Hommage an die Kunststadt Berlin

Peter-Klaus Schuster über den Ausstellungszyklus „Kult des Künstlers“, zeitgemäße Museumspolitik und die Pläne für das Berliner Humboldt-Forum – ein Auszug.

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Sie können am Ende Ihrer Amtszeit eine beeindruckende Bilanz vorlegen. Was bleibt offen und unerledigt?

Schuster: Es wird einem nicht alles erfüllt, was man sich wünscht. Wir brauchen eine klare Gliederung unserer Museumsquartiere, auch nach den Erfahrungen, wie die Leute sich in der Stadt bewegen. Die Museen müssen immer da sein, wo die Leute sind. Wir sind damit weit gekommen, aber noch nicht so weit, dass wir sagen könnten: Es ist vollbracht. Was wir, auch meine Nachfolger und der neue Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, uns vorgenommen haben, ist die Rochade, die dazu führen soll, dass das Kulturforum am Potsdamer Platz zum Ort der Kunst des 20. Jahrhunderts wird und die alten Meister auf die Museumsinsel kommen. Und eine völlig neue Herausforderung ist die Bespielung des Schloss-Areals mit dem Humboldt- Forum. Das geht auf eine Idee der Staatlichen Museen zurück, wie diese urbanistische Wunde in Berlins Mitte zu schließen sei. Jetzt werden wir bald, im November, das Ergebnis des Architektenwettbewerbs haben, und dann kann gebaut werden. Das hätte keiner gedacht.

Sie sprachen das Humboldt-Forum an. Für den Wiederaufbau des Schlosses ließ sich – in Grenzen – eine gewisse Bürgerbeteiligung aktivieren. Was aber das Humboldt-Forum sein soll, die inhaltliche Füllung des Gebäudes gewissermaßen, darüber herrschen in der breiten Öffentlichkeit allenfalls nebelhafte Vorstellungen. Wie ließe sich das Projekt popularisieren? Und ist mit einer solchen Aufgabe die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, alles hochgelehrte Einrichtungen, nicht überfordert?

Schuster: Ich würde die öffentlichkeitswirksamen Qualitäten der Stiftung und vor allem der Staatlichen Museen nicht zu gering veranschlagen. Wir sind die großen Spieler in dieser Stadt, wenn es um das Vergnügen an der Kunst und der Kultur geht. Wir hatten 2007 5,3 Millionen Besucher. Wir wissen also, wie es geht. Das Humboldt-Forum ist allerdings etwas, das es so noch nicht gibt. Da kann man nicht einfach auf die bewährten Rezepte vertrauen. Aber wir wissen letztlich ja auch nicht, was Museum ist. Das wandelt sich ständig und ist immer etwas Neues. Trotzdem: Was das Humboldt-Forum werden soll, ist den direkt Beteiligten klarer, als es die simulierte Ratlosigkeit eines gewissen Feuilletons wahrhaben will, das uns dann rät, dass da, wo ein Schloss ist, auch eine Gemäldegalerie sein müsse. Es gibt für das Humboldt-Forum und die dort geplante Auseinandersetzung mit den außereuropäischen Kulturen Vorbilder. Ein negatives, das ist das Musée du Quai Branly in Paris. So wollen wir es nicht machen. Das andere ist das Centre Pompidou in Paris, ein offenes, verwandlungsfähiges Museum, das die verschiedensten Künste zulässt. Die Verantwortung für die außereuropäischen Sammlungen werden die Museen behalten. Aber die Veranstaltungen, die Dialoge, die müssen immer wieder neu erfunden werden. Mir ist da nicht bang.

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Was würden Sie Ihren beiden Nachfolgern mit auf den Weg geben?

Schuster: Nun, die programmatischen Vorgaben sind Sache des Präsidenten der Stiftung. Unstrittig als herausragende Aufgaben sind das Humboldt-Forum und die Präsentation der alten Meister auf der Museumsinsel. Ansonsten kann ich nur sagen: Lasst sie machen!

Berliner Morgenpost, 24.10.2008