Hier baut der Chef
Eine Bilanz der Ära Wolfgang Tiefensee.
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2007 hatte Tiefensee die wichtigste Baustelle der Kulturnation, die den Steuerzahler über eine halbe Milliarde Euro kosten soll, zur Chefsache erklärt und sich mit der Sinnstiftung abgemüht. Unter dem Notnamen Humboldt-Forum bereitete er den Architekturwettbewerb vor – allerdings beteiligten sich an dem Projekt von royaler Größenordnung enttäuschend wenig Planer. Die Jury kürte schließlich einen Nobody zum Sieger. Den wiederum verließ die Courage: Franco Stella gab den Auftrag zur Ausführung seines Entwurfs an Profis weiter – woraufhin ein anderer Wettbewerbsteilnehmer, der Architekt Hans Kollhoff, das Kartellamt anrief und das Verfahren kippte. Die juristische Intervention offenbarte schwere organisatorische Fehler des Ministeriums selbst.
Um das Humboldt-Forum auch nach dem Regierungswechsel durchzusetzen – und voreilige Hoffnungen der Schlossgegner auszubremsen – hievte Tiefensee letzte Woche den Logistikexperten Manfred Rettig in den Vorstand der als Bauherr fungierenden „Stiftung Berliner Schloss/Humboldt-Forum“. Der ehemalige Geschäftsführer der Bundesbaugesellschaft Berlin, die als bundeseigenes Unternehmen die Großbauten des Regierungsumzugs realisierte, soll als Baumanager die havarierte Idee vom kulturellen Zentrum der Republik retten. Anders als beim Einheitsdenkmal auf der Berliner Schloßfreiheit, dessen Wettbewerb im April im künstlerischen Desaster endete und der nun neu aufgerollt wird, will Tiefensee auf das Schicksal seines Lieblingsprojekts bis zur letzten Minute Einfluss nehmen.
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Tagesspiegel, 23.10.2009
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