Hannoveraner sammeln für einen Schlossaufbau…
… aber nicht für Herrenhausen. Der bundesweit erste regionale Förderverein sammelt in Hannover für den originalgetreuen Wiederaufbau des „Stadtschlosses“ im Herzen Berlins.
Wiederaufbauten von kriegszerstörten Schlössern sind derzeit en vogue, jetzt wird das Thema auch in Hannover aktuell. Gestern Abend wurde feierlich eine Ausstellung im Rathaus eröffnet. Dort geht es aber nicht um das Herrenhäuser Schloss, sondern um das „Stadtschloss“ im Herzen Berlins.
Ein honoriger Kreis Hannoveraner engagiert sich für das 552-Millionen-Euro-Projekt, wirbt und sammelt Geld. 80 Millionen Euro müssen durch Spenden beigesteuert werden, 15 Millionen Euro sind bundesweit schon zusammengekommen. In Konkurrenz zum Schlossaufbau Herrenhausen, der mit bescheidenen zwölf Millionen Euro veranschlagt ist, verstehen sie ihr Projekt aber ausdrücklich nicht.
Seit acht Jahren kämpft der „Förderverein Berliner Schloss“ unter Führung von Wilhelm von Boddin für den originalgetreuen Wiederaufbau des Berliner Prachtbaus, dessen Kriegsruine 1950 gesprengt wurde. Anfangs wurde von Boddin ähnlich belächelt wie einst die Initiatoren des Dresdner Frauenkirchenprojekts oder in Hannover derzeit die Protagonisten des Herrenhausen-Schlossaufbaus. Inzwischen aber hat das Kabinett den Plänen zugestimmt und der Bundestagsausschuss die erste Charge von 105 Millionen Euro freigegeben.
Doch nicht nur in Berlin, auch in Hannover ist das Berlinprojekt Thema. Vor gut einem Jahr hat sich hier der bundesweit erste regionale Förderverein gegründet. Versicherungsmann Marc Pieweck steht ihm vor, unter anderem gehört ihm auch der ehemalige Messevorstand Hubert H. Lange an. „Meine Frau ist Berlinerin, für sie war die Sprengung ein prägendes Erlebnis“, sagt Lange: „Deshalb engagiere ich mich für den Wiederaufbau.“
Jetzt haben die Hannoveraner eine beeindruckende Ausstellung initiiert zur Geschichte des Berliner Schlosses und zur Zukunft – dort sollen im „Humboldt-Forum“ die Dahlemer Museumsschätze gezeigt werden. Marc Holtmann von Holtmann-Messebau aus Langenhagen hat die etwa 25000 Euro teure Technik zur Ausstellung aufgebracht, die von Hannover aus nach Würzburg und in weitere Städte wandern soll. Und die Schlossfreunde versprechen: Sobald die Pläne für Herrenhausen konkreter werden, setzen sie sich auch für dieses Projekt ein.
Die Ausstellung ist bis zum 18. Dezember täglich bis 18 Uhr im Neuen Rathauses geöffnet. Der Eintritt kostet nichts.
HAZ, 20.11.2007
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