Halbe Milliarde Euro für ÖkoStadtschloss

Halbe Milliarde Euro für Öko-Stadtschloss

Er will das erste Öko-Schloss der Republik bauen. Mit einem Geothermie-Kraftwerk, das eine Art Heizstab sieben Kilometer tief in die Erde bohrt, soll sich das Stadtschloss selbst mit Strom versorgen. Und nicht nur das: Der 52-jährige Rechtsanwalt Lür H. Waldmann möchte das historische Hohenzollernschloss mit Hilfe eines Schweizer Investor, der eine halbe Milliarde Euro in das Projekt stecken will, wieder entstehen lassen. Öffentliche Mittel sind nicht vorgesehen. Waldmann meint es ernst.

Dafür soll noch in diesem Jahr ein interfraktioneller Antrag im Deutschen Bundestag eingebracht werden. Darin werde die Bundesregierung aufgefordert, „private Initiativen sorgfältig zu prüfen“, so der Schloss-Freund. Das sei bisher nicht ausreichend geschehen, bemängelt Waldmann, Vorsitzender des Vereins „Stadtschloss Berlin Initiative“. Er habe inzwischen Signale aus der FDP und SPD, dass ein solcher Antrag bis Ende 2007 im Parlament eingebracht wird.

Ministerium entscheidet bis Ende 2007

Die Zeit drängt. Denn die Bundesregierung hat Fakten geschaffen. Auf Vorschlag von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) soll das Schloss mit 400 Millionen Euro aus Steuermitteln und 80 Millionen Euro Spenden des Fördervereins Berliner Schloss von Wilhelm von Boddien gebaut werden. Das Land Berlin will sich mit 32 Millionen Euro an den Gesamtkosten beteiligen. Nach Informationen dieser Zeitung beabsichtigt das Bauministerium, den Bundestagsabgeordneten bis Ende des Jahres eine Entscheidungsgrundlage vorzulegen, die alle Projektvarianten durchdiskutiert.

Ist Waldmann also nur eine Art Traumschloss-Bauer? 25 Abgeordneten habe er den vergangenen Jahren die private Schloss-Initiative, die sich von der von Wilhelm von Boddien unterscheidet, nahegebracht. Die Bandbreite sei von „Bauen Sie, was Sie wollen“ bis „Das Grundstück bekommen Sie nie“ gegangen. „Wir haben aber nie, auch jetzt nicht, aufgegeben“, sagt er. „Die Frage ist doch: Muss der Steuerzahler zahlen? Oder kann man das Schloss nicht auch kommerziell nutzen?“ Das Konzept ist relativ einfach: Der Investor bezahlt Grundstück und Bau. Dafür entstehen ein Hotel Preußen und hochwertige Büros, Apartments und Geschäfte, die der Investor vermarktet.

Die historische Fassade sei damit garantiert plus eines zweiten Schloss-Turms. Darüber hinaus sollen dann rund 22 000 der 60 000 Quadratmeter Nutzfläche an das Humboldt-Forum vermietet werden. Virtuell gibt es das Schloss längst: Im Show-Room des Vereins neben dem Holocaust-Mahnmal an der Cora-Berliner-Straße. Dort sind die Räumlichkeiten nach Absprache unter Tel.: 86 39 70 27 geöffnet oder jeden Dienstag von 10 bis 16 Uhr.

Verein gründete sich 1992

Der gebürtige Bremer Waldmann kam 1994 nach Berlin. Als er die Gerüstplane der Schloss-Fassade sah, war er gleich begeistert. Über die Königliche Porzellan-Manufaktur (KPM) wollte er damals eine Initiative für das Schloss starten, doch der damalige Senator Peter Strieder habe das abgelehnt. So entstand die private Bürgerinitiative mit 400 Mitgliedern. 2002 gründete sich der Verein „Stadtschloss Berlin Initiative“, der heute 40 Mitglieder zählt. Die Chancen, dass der Bundestagsantrag tatsächlich umgesetzt wird, stehen allerdings nicht mehr so gut. Selbst wohlwollende Politiker wie die Nürnberger CSU-Abgeordnete Renate Blank winken inzwischen ab: „Das ist eine extrem gute öffentliche Lage, die nicht von einer privaten Initiative genutzt werden sollte.“ Sie lehnt vor allem einen Grundstücksverkauf ab. Und der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete und Haushälter Jörg-Otto Spiller sagt: „Ich glaube, dass inzwischen die Zeit über diesen Vorschlag hinweggegangen ist.“
Berliner Morgenpost, 24.08.2007