Grünes Licht für eine Kunsthalle auf Zeit

Grünes Licht für eine Kunsthalle auf Zeit

Der Zankapfel ist vom Tisch. Die temporäre Kunsthalle auf dem Schlossplatz kommt. Berlins Regierender Bürgermeister und Kultur-Matador Klaus Wowereit gab jetzt grünes Licht für die umstrittene Zwischennutzung. An Projekten für diesen Platz im Herzen der Stadt mangelte es wahrlich nicht. Doch in dieser äußerst lebhaften Debatte ging es viel um architektonische Hüllen und wenig um konkrete Inhalte. Zwei Entwürfe von zwei konkurrierenden Initiativen sind jetzt im Rennen. Ob nun das „Museum auf Zeit“ schweben wird wie die „weiße Wolke“, ein spektakulärer Entwurf des Architektenbüros Graft, oder sich eher rechteckig ausbreiten wird, wie im Entwurf des österreichischen Architekten Adolf Krischanitz, diese Entscheidung wird Wowereit nun im Herzen wälzen müssen.

Heute wird er erst einmal in New York den „Berlin Day“ eröffnen mit der Ausstellung „Koffer aus Berlin“, wo Künstler verschiedener Disziplinen die Kreativität der Hauptstadt vorführen werden. Möglich ist, dass Wowereit auch ein Modell für das mobile Kunsthaus auf dem Schlossplatz im Gepäck hat. Was wäre eine bessere Werbung als ein Ort, an dem sich junge Künstler aus aller Welt tummeln können?

Doch wie geht nun weiter? Die Entscheidung drängt, die Zeit der Zwischennutzung ist begrenzt – eine der Vorraussetzungen überhaupt für Wowereits Zustimmung. Zwischen dem vollendeten Abriss des Palastes der Republik – vermutlich im Frühjahr 2008 – und dem Baubeginn des Humboldt-Forums – irgendwann im Jahr 2010 – bleibt nicht mehr als „ein Jahr plus“, wie Wowereit vorrechnete.

„Ein freundlicher, dankender Brief“ des Regierenden an beide Initiatoren sei bereits unterwegs, hieß es gestern aus seinem Büro. Eine Bevorzugung gäbe es nicht, jetzt heißt es, die vorliegenden Ideen bzw. Entwürfe zu konkretisieren – verbunden mit sehr klaren Bedingungen. Drei Vorraussetzungen müssen erfüllt sein: Die bauliche Genehmigung muss auf dem Tisch liegen, das kuratorische Konzept fertig sein, und für die private Finanzierung verlangt Wowereit einen Nachweis des Sponsoren. Aufbau, Bespielung und Abbau des Museums auf Zeit müssen die Kunsthallen-Initiatoren aus eigener Tasche aufbringen. Deadline für die „prüfungsfähigen Unterlagen“, wie es beim Senat heißt, ist der 20. August. Im Herbst will sich der Regierende dann entschieden haben. Jener Zeitraum, in dem auch das endgültige Nutzungskonzept Berlins für „seine“ 5000 Quadratmeter im künftigen Humboldt-Forum vorliegen soll.

Die meisten Schlagzeilen für den Entwurf des Kunsthauses machte das Architekturbüro Graft, dem buchstäblich eine geschwungene Wolke aus Kunststoff vorschwebt. Flüchtig wie die Zeit selbst, sehr immateriell in der Wirkung. Sie soll als „begehbare Skulptur“ funktionieren. Ein spektakulärer Entwurf, imageträchtig für die Stadt. Aber auch funktionsfähig für die Kunst? Kosten: ein einstelliger Millionenbetrag im oberen Bereich. Derzeit sucht man einen Großsponsor samt Kurator, verkündet „Monopol“ online. Vergangenes Jahr hatte das Kunstmagazin die Kunsthallen-Idee maßgeblich befördert.

Da ist man bei der Konkurrenz „White Cube“ schon ein bisschen weiter. Nach dem Format „Quadratisch, praktisch, gut“ soll die Halle des Wiener Baumeisters Adolf Krischanitz gestaltet werden. Ein Remake der temporären Kunsthalle auf dem Karlsplatz in Wien, während das MuseumsQuartier noch in der Bauphase war. Ein einfacher Raum, 600 Quadratmeter groß, auch auf den Außenwänden kann Kunst gezeigt werden. Ein Pluspunkt: Die Finanzierung steht. Die „Stiftung Zukunft Berlin“, in der unter anderen Christina Rau und Klaus Töpfer sitzen, will dafür 850 000 Euro spendieren.

Die erste Ausstellung der „Temporären Kunsthalle Berlin“ ist schon eröffnet: in der virtuellen Welt von „Second Life“. Wer dort angemeldet ist, kann an dem Ort „Pixel Art“ sehen, wie die Künstler Candice Breitz und Franz Ackermann die Halle gestaltet haben. Kuratorisch hat das „White Cube“-Projekt einen prominent besetzten Beirat mit Julian Heynen (Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen), Dirk Luckow (Kunsthalle Kiel), Gerald Matt (Kunsthalle Wien) und Katja Blomberg vom Haus am Waldsee. „Wir planen vier Ausstellungen pro Jahr mit internationalen, herausragenden Künstlern, die hier leben und arbeiten. Ich würde sogar monatlich wechseln. Bei zwei Jahren wären das 24 Künstler“, erläutert Katja Blomberg. „Wir wollen die Politiker aufrütteln, zeigen, wie wir zu eigenen zeitgenössischen Sammlungen kommen, wenn man an der Quelle sitzt und sich nicht bei privaten Sammlern bedient. Wir müssen ernst nehmen, was hier für den Weltmarkt entsteht – und festhalten für die künftigen Generationen.“

Das Ausstellungskonzept soll flexibel gehalten werden, Entscheidungen kurzfristig fallen. Improvisation ist das Zauberwort – ganz im Sinne des Berliner Kunstvolkes also.
Berliner Morgenpost, 16.05.2007