Gegen die Fassadenkletten
Der Friede war trügerisch. Ungestört von der Öffentlichkeit konnten bislang die mit einer Attrappe aus Gerüst und Plastikplanen angeschobenen Pläne für den Wiederaufbau der preußischen Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel gedeihen. Diesen Sommer soll feststehen, wer das Gelände etwas abseits des Schlossplatzes erwirbt und sich als Bauherr verpflichtet. 2010 soll es losgehen. Nun rührt sich Kritik.
Die „Plattform Nachwuchsarchitekten“, die sich schon öfter kritisch in Stadtplanungsfragen zu Wort meldete, hat einen eigenen Ideenwettbewerb für das Grundstück ausgelobt. Um die Diskussion anzuregen. Die Ergebnisse sind bis Freitag in der Architekturgalerie Aedes zu sehen. Das Netzwerk kritisiert unter anderem, dass der Verein „Internationale Bauakademie Berlin“, der sich seit 2001 für den Wiederaufbau einsetzt, seit fünf Jahren kostenlos öffentlichen Grund nutzen darf, um mit großformatigen Werbeplakaten Einnahmen zu generieren.
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1832 bis 1836 errichtet, wurde Schinkels Bauakademie im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Reste wichen 1962 dem DDR-Außenministerium.
Nach dessen Abriss setzte sich der Förderverein Bauakademie für den Wiederaufbau ein. Die Nord-Ost-Ecke steht schon seit sieben Jahren. 2001 wurde auf Initiative des Senats und der staatlichen Museen der „Verein Internationale Bauakademie“ gegründet, mit Architekt Hans Kollhoff als Präsident. Es ist die Fraktion der Traditionalisten um den ehemaligen Bausenatsdirektor Hans Stimmann, die hier im Begriff steht, sich einen symbolträchtigen Raum zu schaffen, eine Festung der Rekonstruktionsanhänger. Denn die Bauakademie soll nicht nur wiederhergestellt werden, sondern Architekturmuseum, Forschungseinrichtung und Eliteinstitut für junge Architekten sein. Der Senat schreibt dem künftigen Investor neben der originalgetreuen Rekonstruktion vor, 75 Prozent des Gebäudes kostenlos der Akademie zur Nutzung zu überlassen.
Theresa Keilhacker von den Nachwuchsarchitekten sieht hier öffentliches Eigentum ohne Legitimation an eine private Organisation veräußert. „Wie kommt denn so ein Verein zu dieser Ehre? Da würden wir uns auch gerne bewerben“, scherzt sie. „Wir haben so tolle Architekturinstitutionen in der Stadt, da muss man doch nicht einem ideologisch geprägten Verein den Vorzug geben, der noch dazu keine Eigenmittel mitbringt.“
Da werden allerdings die Gegner heruntergespielt. Neben den staatlichen Museen ist die Technische Universität beteiligt, die (selbst aus der Bauakademie hervorgegangen) mit der ETH Zürich die Akademie aufbauen soll. „Ich wüsste nicht, warum diese Institutionen nicht geeignet sein sollen“, entgegnet Architekt und Vereinssprecher Paul Kahlfeld.
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Seit fünf Jahren suggeriert der provisorische Hohlkörper mit Fassadenaufdruck an dieser Stelle vollendete Tatsachen. Dabei kann momentan niemand sicher sagen, wie es mit dem Wiederaufbau weitergeht, der ursprünglich schon 2006 abgeschlossen sein sollte. Letztes Jahr kündigte der Unternehmer Hans Wall unter großem Beifall an, die veranschlagten 20 Millionen Baukosten zu spenden. Nun muss er sich allerdings der EU-weiten Ausschreibung des Grundstücks stellen, die dem künftigen Eigentümer wenig Spielraum zur wirtschaftlichen Verwertung lässt. Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise schlägt Wall eher vorsichtige Töne an. Dass sich das Verfahren hinziehe, komme „nicht ungelegen“, sagte er dem Tagesspiegel. Ob er die Aufgabe am Ende leisten könne, sei nicht abzusehen. Er sei noch im Verfahren, zusammen mit einem anderen Bewerber. „Ich habe den Traum noch nicht ausgeträumt.“
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Tagesspiegel, 08.06.2009
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