Gab es Formfehler beim Architekten-Wettbewerb?
Er könne gar nicht glauben, was er gerade im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“ gelesen habe, sagt Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Blatt berichtete gestern von Recherchen der Kunstzeitschrift „Art“ und des Berliner Stadtmagazins „Zitty“, die ergeben hätten, dass bei dem Architektenwettbewerb zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses nebst Humboldtforum gravierende Formfehler gemacht worden seien. Als Sieger aus diesem Wettbewerb ging im November vergangenen Jahres der Italiener Franco Stella hervor. Er habe, so berichtet die „FAZ“, zwei der Voraussetzungen für die Teilnahme am Wettbewerb nicht erfüllt. Weder habe er für die Jahre 2004 bis 2006 einen Durchschnittsumsatz von 300 000 Euro nachweisen können, noch seien bei ihm drei Mitarbeiter fest beschäftigt gewesen. Seit dem Abschluss eines Bauprojektes in Padua 2002 habe Stella nichts gebaut und nur einen Mitarbeiter fest beschäftigt. Er hätte also gar nicht an dem Wettbewerb teilnehmen dürfen, weil er die in der Ausschreibung formulierten professionellen Mindestanforderungen nicht erfüllte. Das Bundesbauministerium, der Bauherr des 550-Millionen-Vorhabens, habe es versäumt, die Angaben Stellas zu überprüfen.
Dessen Anwälte wiesen am Mittwoch darauf hin, dass in der im Supplement zum Amtsblatt der EU veröffentlichten Ausschreibung als Mindestanforderung entweder ein Mindestumsatz von 300 000 Euro oder eine Bürogröße von mindestens vier Inhabern oder angestellten Architekten gefordert wurde. Die dazu geforderten Angaben habe Franco Stella wahrheitsgemäß gemacht. Das Bundesbauministerium teilte mit, es habe auf die Selbstauskunft Stellas wie bei allen anderen Wettbewerbsteilnehmern vertraut. Vor Abschluss des Architektenvertrages mit ihm sei eingehend geprüft worden, ob er mit seinem Büro und den eingeschalteten weiteren Architekten (Stella arbeitet mit dem deutschen Büro Hillmer&Sattler und Albrecht zusammen) die vereinbarten Leistungen erbringen könne. Die Prüfung sei positiv ausgefallen.
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Die Welt, 02.07.2009
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