Franco Stella verteidigt sein Stadtschloss-Projekt
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Seit die Entscheidung des Kartellamtes den Schloss-Skandal perfekt gemacht hat, stehen nun einmal mehr nicht inhaltliche Fragen zum Projekt rund um den Bau des Humboldt-Forums im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Sondern die Frage, ob der bis zum Wettbewerbssieg im November 2008 nahezu unbekannte Mann aus Vicenza überhaupt in der Lage ist, ein Großprojekt mit einer reinen Bausumme über 480 Millionen Euro zu leiten.
Und so straffte Stella die Schultern doch noch und gab sich durchaus selbstsicher: „Ich bin der Leiter des Projektes, alle Planungen laufen unter meiner Federführung.“ Er werde das gesamte Projekt sowohl aus seinem Büro in Berlin als auch aus dem in Vicenza heraus führen. „Alle Fragen der Architektur werde ich entscheiden“, sagte Stella. „Ich habe nicht die größte, aber eine relevante Position im Planungsverfahren.“ Er sei zuversichtlich, dass durch den Entscheid des Kartellamtes keine Verzögerungen entstehen. „Wir arbeiten ganz normal weiter, das Ministerium hat gegen den Entscheid vor Gericht Beschwerde eingelegt.“
Bereits am kommenden Tag stünde wieder eine Sitzung mit dem Bauherren, vertreten durch das Bundesamt für Bauordnung und Raumwesen (BBR), an. Die Kritik, er habe in Berlin kein eigenes Büro sondern lediglich eine Projektgemeinschaft gegründet, könne er nicht nachvollziehen, gesteht er mit resigniertem Achselzucken ein. „Natürlich hätte ich auch das machen können, doch der jetzt gewählte Weg ist genauso üblich.“ Im Übrigen würden ihn diese „unerwarteten Machtspiele in Berlin“ sehr erstaunen.
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Kein Geld für die Keller
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Dagegen sagte Lüscher, die für das Land Berlin im Stiftungsrat der Schloss-Stiftung sitzt, dass die Präsentation der Schlossreste an ihrem Fundort nur eine von vielen Möglichkeiten sei. Sie wies darauf hin, dass das Bauprojekt bereits hinsichtlich der Nutzerwünsche überarbeitet wurde. Nun müsse etwa Platz für technische Anlagen wie Lüftung und Klimaanlage gefunden werden. „So etwas kann logischerweise nicht auf dem Dach angebracht werden.“
Damit drohen die wenigen Originalteile des Schlosses dem Spardruck zum Opfer fallen. Die Senatsbaudirektorin stellte klar: „Der Erhalt der Keller wird vom Bund als Bauherren sehr kritisch gesehen“. Bereits im Auslobungstext für den Wettbewerb sei schriftlich fixiert, dass eine Einbeziehung der Schlossfundamente in den Neubau im gesetzten Kostenrahmen nicht realisierbar sei.
Wemhoff sieht darin einen Konflikt mit dem Denkmalgesetz. Der Bund als Bauherr könne das Gesetz nicht aushebeln. „Das ganze Areal mit den Kellern ist ein Bodendenkmal“, betonte er. In allen europäischen Metropolen würden mittlerweile Denkmale an Ort und Stelle erhalten. Das Denkmalamt werde sich bald mit dem Bauherrn zusammensetzen. „Wir haben eine gute Position bei der Verhandlung“, ist sich Wemhoff sicher.
Wie hoch die Mehrkosten einer Einbeziehung der Schlosskeller in den Neubau wären, steht noch gar nicht fest. „Technisch ist fast alles möglich“, stellte Architekt Stella klar. Fachleute würden derzeit prüfen, welche Sonderkosten daraus entstehen würden, wenn man die Fundamente integriert.
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Berliner Morgenpost, 15.09.2009
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