Förderverein will in Einkaufszentren um Spenden werben

Förderverein will in Einkaufszentren um Spenden werben

Der Förderverein Berliner Schloss geht bei der Suche nach Spenden für den Wiederaufbau des Stadtschlosses eigene Wege: Er plant eine Wanderausstellung, die in Shopping-Zentren präsentiert werden soll. Mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme reagiert der Verein auf das Scheitern der Infobox am Schlossplatz, für das die Aktivisten die rot-rote Landesregierung verantwortlich machen.

Der Förderverein Berliner Schloss will mit einer Wanderausstellung in 30 Einkaufszentren deutschlandweit um Spenden werben. Damit reagiere der Verein auf das Scheitern der „Humboldt- Box“ am Schlossplatz, sagte Geschäftsführer Wilhelm von Boddien in Berlin. „Wir bringen das Schloss zu den Leuten, wenn der Senat verhindert, dass wir die Leute zum Schloss bringen.“ Der rot-rote Senat habe das Informationszentrum vor Ort zum Scheitern gebracht. Deswegen gebe es nun die Wanderausstellung. Zwischen der Berliner Regierung und dem Verein herrsche Funkstille, kritisierte von Boddien, der mangelnde „ideelle Unterstützung“ beklagte.

Die Senatsbauverwaltung wies den Blockade-Vorwurf zurück. „Das ist mitnichten so“, sagte Sprecherin Manuela Damianakis. Auf dem Schlossplatz, wo derzeit die temporäre Kunsthalle gebaut wird, sei kein Platz. Es werde aber in der Umgebung nach Alternativstandorten für das Informationszentrum gesucht.

Nach dem Abriss des Palastes der Republik, in dem auch die DDR-Volkskammer saß, soll ein Neubau mit Schlossfassade entstehen, für die der Verein 80 Millionen Euro Spenden sammeln will. Bislang seien 16,4 Millionen Euro zusammengekommen, berichtete von Boddien. In der Ausstellung in den Einkaufszentren soll das Schloss je neun Tage lang mit einem Modell, 28 Schautafeln und einer Bildhauerwerkstatt präsentiert werden.

Erste Station der Schau sind vom Donnerstag an die Arkaden am Potsdamer Platz. Auf der Gästeliste bei der abendlichen Eröffnung stehen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, Altbundespräsident Walter Scheel und der Historiker Arnulf Baring. Der Förderverein arbeitet bei der Wanderausstellung, mit der laut von Boddien bis zu zwölf Millionen Menschen erreicht werden könnten, mit dem Einkaufszentren-Unternehmen ECE zusammen.

Das vom Bundestag beschlossene Berliner Stadtschloss (Humboldt- Forum) soll von 2010 bis 2013, spätestens 2015 errichtet werden. Der Architektenwettbewerb für das 552 Millionen Euro schwere Projekt läuft derzeit. Im Humboldt-Forum sollen Museumssammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Stadt- und Landesbibliothek sowie die Humboldt-Universität ihren Platz finden. Als ein Ort für das geplante Informationszentrum zum Schloss ist das Kronprinzenpalais im Gespräch. Dieses lehnt von Boddien aber als Standort ab.dpa
Berliner Morgenpost, Die Welt, 01.07.2008