Forscher machen sensationellen Fund am Schloßplatz
Archäologen haben in Mitte das Fundament des prächtigen Eosanderportals freigelegt. Es ist erstaunlich intakt. Doch die Fachleute sorgen sich weniger um den Zustand, als vielmehr um die Frage, ob die aufgefundenen historischen Keller, Treppen und Verbindungsgänge in den Neubau integriert werden.
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Die auf Betreiben der DDR-Führung 1950 gesprengte Hohenzollernresidenz soll ab 2010 als Humboldt-Forum wiedererstehen. Bis dahin haben die Archäologen Zeit, unter dem Asphalt nach dem zu suchen, was den Sprengungen getrotzt hat. Das Fundament des Eosanderportals, so die erste Bestandaufnahme der Fachleute, hat die Zerstörungen erstaunlich intakt überdauert. Sorge bereitet den Archäologen deshalb nicht der Zustand des Gemäuers – sondern die ungeklärte Frage, ob die aufgefundenen historischen Keller, Treppen und Verbindungsgänge in das Bauvorhaben integriert oder erneut eingeebnet werden.
Funde mit unsicherer Zukunft
„Wir gehen davon aus, dass die Keller in die Rekonstruktion des Schlosses einbezogen werden“, sagt der Berliner Landesarchäologe Matthias Wemhoff. Die Abfolge von Kellerräumen sei eindeutig als Bodendenkmal zu werten und somit müsse der Erhalt gefordert werden. „Sonst darf man auch nicht von einer Schlossrekonstruktion sprechen, man müsste es dann ehrlicherweise als Neubau bezeichnen“, ergänzt sein Grabungsleiter Peter Fuchs. Es wäre doch ein Unding, wenn ausgerechnet die verbliebenen Originalteile des Schlosses, die dem umstrittenen Vorhaben die nötige Legitimation geben könnten, nicht wieder ihren alten Zweck erfüllen dürften. „Andere Länder haben uns vorgemacht, wie man Bodendenkmäler als archäologische Fenster für die Nachwelt erhält, und auch die Frauenkirche in Dresden kann als Beispiel dienen“, sagt Fuchs.
Der mit dem Bau des Humboldt-Forums beauftragte Architekt Franco Stella soll sich bei einem Ortstermin jedoch äußerst zurückhaltend geäußert haben. Und auch auf Seiten des Bundesbauministeriums gibt es zu dieser Frage noch keine Antwort. „Es laufen derzeit Probebohrungen, die uns zeigen werden, inwieweit die Fundamente in das Konzept integriert werden können“, sagt Vera Moosmayer, Sprecherin von Minister Wolfgang Tiefensee (SPD). Die überarbeiteten Pläne für das Humboldt-Forum werde Stella voraussichtlich im Oktober vorlegen. (…)
Mittlerweile freigelegt wurde eine kunstvolle Säule aus Sandstein unterhalb der Tordurchfahrt, um die sich einst eine Wendeltreppe in die Höhe schraubte. Sie steht aufrecht und völlig unbeschädigt an ihrem Platz. Entdeckt wurde auch ein Tunnel, der zu einem Yachthafen am Spreekanal führte, der sich gleich unter dem Sockel des Denkmals für Kaiser Wilhelm I. befand. Ob man den gesamten Tunnel freilegen könne, werde noch geklärt, so Wemhoff.
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Doch bei der aktuellen Grabung auf dem Schloßplatz geht es nicht um Sensationsfunde. „Wir wussten aufgrund der überlieferten Lagepläne schließlich genau, wo wir graben mussten“, so Landesarchäologe Wemhoff. „Die eigentliche Sensation“, und jetzt gerät der promovierte Mittelalterarchäologe ins Schwärmen, „sind die gewaltigen Fundamente von unglaublicher Qualität“.
Berliner Morgenpost, 15.08.2009
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