Es soll kein Schloss werden
Eine Bürgerinitiative diskutiert die Konzeption des Humboldt-Forums
Sebastian Preuss
In diesem Herbst soll bereits der Architekturwettbewerb für das Humboldt-Forum auf dem Schlossplatz entschieden werden. Was aber hinter den rekonstruierten Schlüter-Fassaden dereinst genau geschehen wird, erscheint bislang noch recht wolkig. Der Dialog der Kulturen soll hier stattfinden. Aber was heißt das eigentlich? Engagierte Bürger wollen mitreden, darunter Christiane von Heinz (Herrin des Humboldt-Schlosses in Tegel) oder Ex-Kultursenator Volker Hassemer. Seit einigen Jahren schon mischt sich die „Initiative Humboldt-Forum“, angesiedelt in der Stiftung Zukunft Berlin, mit Diskussionen und Workshops in die Planung ein.
Was erwartet die Welt vom Humboldt-Forum? Auf diese Frage sollen jetzt prominente Köpfe aus aller Welt antworten. Als erster wird am 15. September der japanische Kulturphilosoph Ryosuke Ohashi dazu sprechen. Am 7. Oktober tritt der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali auf, es folgt der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa (6. November). Als ihre Gesprächspartner werden Sasha Waltz, Klaus Töpfer oder der Historiker Jürgen Kocka aufgeboten. Für das nächste Jahr sind unter anderem der libanesische Schriftsteller Ami Maalouf, der Documenta-Macher Okwui Enwezor oder der Musiker und Brasiliens Ex-Kulturminister Gilberto Gil angekündigt.
Hier gehe es um viel mehr als um den Wiederaufbau eines Schlosses, betonten gestern die Initiatoren. Stattdessen müssten die epochalen Visionen der Brüder Humboldt ernst genommen und die großen, drängenden Fragen unserer globalisierten Welt gestellt werden. (sep.)
Berliner Zeitung, 04.09.2008
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