Eine Volkskammer hinter der Schlossfassade?

Eine Volkskammer hinter der Schlossfassade?

Das Humboldt-Forum soll nach den Planungen aus dem Bundesbauministerium offenbar nicht nur an das 1950 gesprengte Stadtschloss erinnern, sondern auch an den Palast der Republik, der derzeit abgetragen wird. Das geht aus einem Bericht hervor, den das Ministerium an die Vorsitzenden des Kultur- und des Bauausschusses des Deutschen Bundestages übersandt hat und der morgenpost.de vorliegt.

In dem Bericht wird im Rahmen der Auflistung der Gesamtkosten für das Humboldt-Forum die Teilrekonstruktion des ehemaligen Volkskammersaals aufgeführt. Ausdrücklich ausgeklammert ist hingegen der Wiederaufbau historischer Schlossräume: „Eine Rekonstruktion von Innenräumen nach historischem Vorbild – bis auf die Kunstkammern – ist nicht vorgesehen“, heißt es.

Ein „vollkommen willkürliches“ Konzept

„Weder das eine noch das andere ist jedoch im Beschluss des Bundestages zum Wiederaufbau des Schlosses enthalten“, kritisiert der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag, Hans-Joachim Otto (FDP). Es sei demnach eine freie Interpretation der Verfasser der Auslobung aus dem Bauministerium und somit „vollkommen willkürlich“. Auch der weitere Auszug aus dem noch nicht abschließend abgestimmten Entwurf der Auslobung lasse nichts Gutes erahnen, so Otto. So ist zu lesen: „Der Entwurf soll die geschichtlichen Brüche und Zeitschichten des Ortes Schlossareal erfahrbar machen. (…) Ebenso ist der Palast der Republik, der ab 1973 an seine Stelle (die des Schlosses, A.d.R.) trat, Teil dieser deutschen Geschichte“. In dem Bundestagsbeschluss von 2002 und in der Kabinettsvorlage vom Juni dieses Jahres ist davon allerdings nicht die Rede. Dort heißt es nur, dass die historische Fassade an drei Seiten des Schlosses entstehen soll und der Aufbau eines Volkskammersaales „optional möglich“ bleiben solle.

Wie die vierte, die Ostfassade ausgestaltet werden soll, ist indes nicht näher beschrieben. „Wer von den Architekten beim Wettbewerb nicht große Bezüge zum Palast der Republik herstellt, wird vermutlich chancenlos sein“, befürchtet Otto deshalb.

Eine Sorge, die Steffen Kampeter, haushaltspolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, teilt: „Der Bundestagsbeschluss ist kein Beschluss zur Teilrekonstruktion des Palastes der Republik.“ Man gewinne den Eindruck, dass es Bauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) „mehr um die Stabilität der rot-roten Berliner Koalition als um die Beschlüsse des Bundestages geht“. Die Formulierung der Auslobung sei eindeutig „sehr ostalgisch“ geraten.

Keine Informationen über die Jury

Anlass zur Sorge gebe auch die Zusammensetzung des Preisgerichts, das an der Formulierung der Auslobung für den internationalen öffentlichen Architektenwettbewerb beteiligt ist. „Offiziell gibt es noch gar keine Information, wer in der Jury sitzen soll“, sagt Otto. Das Wissen der Abgeordneten speise sich derzeit allein aus der Berichterstattung in den Medien. Demnach sei unter den acht Fachpreisrichtern nach derzeitigem Kenntnisstand nur ein einziger, der sich explizit für historische Rekonstruktionen einsetze.

„Im Übrigen ist auch das Land Berlin, das lediglich eine vergleichsweise lächerlich geringe Summe einbringt, im Preisgericht genauso stark vertreten wie der Bund“, kritisiert der Kulturausschussvorsitzende. Die Befürchtung, die Schlossgegner im Parlament könnten den Bundestagsbeschluss hintertreiben, bleibe auch mit dem neu vorgelegten Bericht, der eigentlich alle Zweifel ausräumen sollte, bestehen.

Das jetzt an den Kultur- und Bauausschuss gegangene Papier ist eine Kurzfassung des Ergänzungsberichts, der am 24. Oktober an den Haushaltsausschuss gehen soll. Dieser hatte im September eine ausführliche Kostenaufstellung angemahnt.
Berliner Morgenpost, Die Welt, 13.10.2007