Eine Erdung für das Stadtschloss
Kommentar von Eckhard Fuhr
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Noch heute sagt die Berliner CDU-Abgeordnete und Kulturpolitikerin Monika Grütters: „Mich enthusiasmiert am Gedanken des Humboldt-Forums, dass wir ihn gefasst haben.“ Das charakterisiert diese Idee höchst treffend. Sie ist in kaum zu überbietender Weise mit guten Absichten, mit selbstkritischer historischer Reflexion und aufklärerischem Ethos aufgeladen.
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Die Feuilletons sind mal Feuer und Flamme für das Humboldt-Forum. Dann wieder überkommt sie der große Katzenjammer. Doch es ging auch voran. Im vergangenen Jahr führte eine Ausstellung im Alten Museum Gedankenexperimente zu einem Humboldt-Forum vor. Und seit November gibt es eine Bundesstiftung, die als Bauherrin des Schlosses auftritt und die Öffentlichkeit für das Projekt begeistern.
Ins Liebermannhaus hatte sie am Donnerstagabend zum Auftakt einer Veranstaltungsreihe geladen, die diesem Zweck dienen soll. Das Wort hatten nicht Museumsleute, Ausstellungsmacher und Feuilletonisten, sondern Volksvertreter: Johannes Kahrs (SPD), Monika Grütters (CDU), Stefan Müller (CSU), Hans-Joachim Otto (FDP) Agnes Krumwiede (Grüne) und Gesine Lötzsch (Linke) – alte Kämpen der Kulturpolitik also neben Neulingen auf diesem Gebiet. Die gute Nachricht ist: Von der Linken abgesehen finden Schloss und Humboldtforum in allen politischen Lagern enthusiastische Fürsprecher. Selbst in der bayerischen CSU scheint eine stille Preußenliebe erblüht zu sein, auch wenn Bauminister Ramsauer in Verkennung sozialpsychologischer Gesetzmäßigkeiten öffentlich schon einmal darüber nachdachte, ob die Fassaden, für die 80 Millionen Euro Spendengelder eingeplant sind, vielleicht auch nachträglich angebracht werden könnten. Man muss kaum fürchten, dass der Bundestag unter Sparzwang grimmig dieses Prestigeprojekt fleddert.
Die weniger gute Nachricht: Nicht alle Abgeordneten, die sich zum Thema äußern, sind mit den bisherigen Diskussionen und dem Stand der Planung vertraut. Gemeinsam ist ihnen allerdings die Angst davor, dass das wichtigste und teuerste Kulturprojekt der Republik zu einem elitären Minderheitenprogramm werden könnte. Sie reden nicht gerade Kegelbahnen das Wort, aber von der wünschbaren Attraktivität des Ortes für breite Schichten war doch oft die Rede. Die Schlossdebatte kommt in die Phase der Erdung. Das ist gut so.
www.welt.de, 22.05.2010
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